{"id":10257,"date":"2007-07-27T00:00:00","date_gmt":"2007-07-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070727-04n"},"modified":"2007-07-27T00:00:00","modified_gmt":"2007-07-26T22:00:00","slug":"aktueller-stand-der-einspeisung-von-bioerdgas-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aktueller-stand-der-einspeisung-von-bioerdgas-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Aktueller Stand der Einspeisung von Bioerdgas in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><b>Seit einigen Monaten wird aufbereitetes Biogas, auch Biomethan oder Bioerdgas genannt, in das deutsche Erdgasnetz eingespeist. Trotz noch zahlreicher wirtschaftlicher und technischer Herausforderungen beweisen die Pionieranlagen, dass es geht. Erdgaskunden k\u00f6nnen so in Zukunft regenerative Energie \u00fcber den Gashausanschluss beziehen. Die deutsche Gaswirtschaft leistet damit einen wirksamen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der Klimaerw\u00e4rmung und zur Erreichung der Klimaschutzziele im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Welcher Stand dabei aktuell in der Praxis erreicht worden ist und welche Aufgaben die deutsche Gaswirtschaft noch zu bew\u00e4ltigen hat, beleuchtet dieser Beitrag der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V. (<a href=\"http:\/\/www.asue.de\/\" >ASUE<\/a>).<\/b> <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070727-04\/0707-biordgas-bild.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"0707-biordgas-bild.jpg\"\/>Herausforderungen gibt es entlang der gesamten Nutzungskette von Bioerdgas &#8211; bei der Erzeugung der Biomasse, der Erzeugung und Aufbereitung von Biogas sowie beim Transport und der Vermarktung von Bioerdgas bis hin zu den speziellen Absatzbereichen: Kraft-W\u00e4rmekopplungsanlagen (KWK), Kraftfahrzeuge und Heizanlagen. Aufgrund der vergleichsweise geringen Energiedichte und dem hohen Wassergehalt der Biomasse ist eine langfristige Absicherung des Biomasse-Bezugs unter wirtschaftlichen Konditionen in unmittelbarer N\u00e4he der Biogasanlage zwingend notwendig. Au\u00dferdem d\u00fcrfen der Anbau und die D\u00fcngung der Biomasse den Boden und das Grundwasser nicht \u00fcberlasten. Bei den Aufbereitungsverfahren kann auf Erfahrungen aus dem Ausland und der chemischen Industrie zur\u00fcckgegriffen werden: Die wesentlichen Verfahren (Druckwechseladsorption, Druckwasserw\u00e4sche und Aminw\u00e4sche) unterscheiden sich in ihrer Effizienz, ihrem Personal- und Hilfsenergiebedarf sowie in der H\u00f6he der Verluste. Eine Aussage, die ein Verfahren f\u00fcr jeden Anwendungsfall favorisiert, ist derzeit nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p><b>&#8220;Austauschgas&#8221; und &#8220;Zusatzgas&#8221;<\/b><br \/>Die Anforderungen an das einzuspeisende Bioerdgas richten sich nach der Vermischung im Netz. Als &#8220;Austauschgas&#8221; sind die Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche h\u00f6her als f\u00fcr &#8220;Zusatzgas&#8221;. Damit ein signifikanter Anteil eingespeist werden kann, hat Bioerdgas in der Regel die Anforderungen an &#8220;Austauschgas&#8221; zu erf\u00fcllen. Die Einspeisung von Bioerdgasmengen kann begrenzt werden durch unzureichende Netzkapazit\u00e4ten oder auch durch fehlende Absatzm\u00f6glichkeiten in KWK-Anlagen. Die Messung der Bioerdgasmengen gestaltet sich schwierig, da derzeit noch keine f\u00fcr Bioerdgas zugelassenen Messger\u00e4te verf\u00fcgbar sind. In H-Gasgebieten kann die Beimischung von geringen Mengen Fl\u00fcssiggas notwendig sein, um die im DVGW-Arbeitsblatt G 685 geforderten Brennwertvorgaben einhalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Regeln zur Vermarktung von Bioerdgas sind kompliziert. Der Bioerdgasproduzent ist verantwortlich f\u00fcr die Gasqualit\u00e4t. Er informiert sich beim Netzbetreiber \u00fcber verf\u00fcgbare Netzkapazit\u00e4ten. Bioerdgasmengen werden &#8211; wie andere Gasmengen &#8211; von einem &#8220;virtuellen Handelspunkt&#8221; aus verkauft. Der Netzbetreiber bilanziert die ein- und ausgespeisten Mengen. Die Gasnetzzugangsverordnung sieht abweichend von der \u00fcblichen 1-st\u00fcndigen Basisbilanzierung bei Bioerdgas einen Bilanzierungszeitraum von 12 Monaten vor. Erfahrungen mit dem einj\u00e4hrigen Bilanzierungszeitraum gibt es bislang nicht. Werden Bioerdgasmengen in w\u00e4rmegef\u00fchrten KWK-Anlagen eingesetzt, ergibt sich ein Unterschied zwischen der Einspeisestruktur der Bioerdgasanlage und der Abnahmestruktur der KWK-Anlage \u00fcber das Jahr. Die Folge: Das Netz wird als Speicher genutzt, sofern das technisch m\u00f6glich ist. Ungekl\u00e4rt und umstritten ist die Frage, wer die Kosten f\u00fcr die Speicherung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Bei der Nutzung von Bioerdgas ist derzeit die Stromerzeugung in KWK-Anlagen erste Wahl. Durch die Regelungen des EEG werden Strompreise von 16,51 bis 20,99 Ct\/kWhel erzielt. Allerdings erh\u00e4lt der Bioerdgaseinsatz in Kraftfahrzeugen zunehmende Beachtung. Ein Grund ist die hohe Effizienz. Ein Erdgasfahrzeug kann mit dem Bioerdgas aus einem Hektar Maissilage rund 60.000 Kilometer weit fahren, das bedeutet 1,5 Mal um den \u00c4quator!<\/p>\n<p><b>Pilotanlagen beretis in Betrieb<\/b><br \/>Ein beispielhaftes Pilotprojekt ist die Anlage in Pliening bei M\u00fcnchen. Sie wurde von der <a href=\"http:\/\/www.renewable-energy-systems.de\/\" >RES Renewable Energy Systems GmbH<\/a>, M\u00fcnchen, initiiert und konzipiert. Errichtet und betrieben wird sie von einem Fond der <a href=\"http:\/\/www.schmack-biogas.de\/\" >Aufwind Schmack Neue Energien GmbH &#038; Co. KG<\/a>, Regensburg, in Zusammenarbeit mit RES. Die Inbetriebnahme der Anlage mit Produktion von Bioerdgas erfolgte im Dezember 2006. In Pliening wird das aus vergorener Biomasse gewonnene Biogas im Druckwechselverfahren zu Bioerdgas aufbereitet. 6,3 Millionen Nm<sup>3<\/sup> Roh-Biogas werden j\u00e4hrlich in Pliening erzeugt. Mit einer j\u00e4hrlichen Aufbereitungskapazit\u00e4t von etwa 3,9 Millionen Nm<sup>3<\/sup> Biomethan ist diese Anlage derzeit auch die bayernweit gr\u00f6\u00dfte. Sie hat eine Energieeinspeisekapazit\u00e4t von rund 40 Millionen kWh, was einem j\u00e4hrlichen Erdgasverbrauch von rund 1.300 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Mit dem direkt in das Erdgasnetz der <a href=\"http:\/\/www.swm.de\/\" >Stadtwerke M\u00fcnchen<\/a> eingespeisten Bioerdgas betreibt die E.ON Bayern W\u00e4rme GmbH in Poing und Puchheim zwei Blockheizkraftwerke, in denen das Bioerdgas dann verstromt und gleichzeitig die anfallende W\u00e4rme ganzj\u00e4hrig in ein Fernw\u00e4rmenetz eingespeist wird.<\/p>\n<p>Eine weitere Pilotanlage betreibt die <a href=\"http:\/\/www.stawag.de\/\" >STAWAG Energie GmbH<\/a> in Straelen, Nordrhein-Westfalen. Dort steht eine Gasaufbereitungsanlage zur Veredelung von Rohbiogas, das \u00f6rtliche Produzenten aus Mais, Getreide und G\u00fclle in einer Menge von rund 550 m<sup>3<\/sup> pro Stunde herstellen. Per Druckwechseladsorptionsverfahren wird das Rohbiogas gereinigt und mit \u00fcber 95 Prozent Methananteil auf Erdgasqualit\u00e4t gebracht. Um den speziellen Anforderungen des \u00f6rtlichen Netzes an die Gasbeschaffenheit (Brennwert: 11,22-11,54 kWh\/m<sup>3<\/sup>, Wobbe-Index: 14,21-14,46 kWh\/m<sup>3<\/sup>, Methanzahl: mindestens 72) gerecht zu werden, erfolgt vor der Einspeisung ins Erdgasnetz der Gelsenwasser Energienetze GmbH noch die Beimischung eines geringen Anteils an Fl\u00fcssiggas (LPG). Die Einspeisung wird unterbrochen, wenn die eingespeiste Menge den Gasabsatz \u00fcbersteigen w\u00fcrde. Die erste Einspeisung erfolgte am 30.12.2006.<\/p>\n<p>Weitere Bioerdgasanlagen zur Einspeisung befinden sich unter anderem im Brandenburger Rathenow (43,80 Millionen kWh\/Jahr) in Planung. Eine nicht vollst\u00e4ndige \u00dcbersicht der Projekte in Deutschland gibt nachstehende Tabelle.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070727-04\/grafik_bioerdgas.gif\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"grafik_bioerdgas.gif\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Die neu gegr\u00fcndete E.ON Bioerdgas GmbH will noch in diesem Jahr erste Bioerdgasanlagen in Betrieb nehmen. Das Unternehmen will sich aus technischen wie auch wirtschaftlichen Gr\u00fcnden auf den Bau von Gro\u00dfanlagen ab etwa 500 m<sup>3<\/sup>\/h Bioerdgas konzentrieren. F\u00fcr Friedrich Wolf, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der E.ON Bioerdgas GmbH, bestehen dabei die Herausforderungen weniger in der Anlagentechnik &#8211; die erforderliche Technik daf\u00fcr sei bereits auf dem Markt verf\u00fcgbar &#8211; als vielmehr darin, geeignete Anlagenstandorte zu finden: &#8220;Einerseits m\u00fcssen gen\u00fcgend Rohstoffe als Einsatzmaterial zur Verf\u00fcgung stehen und andererseits muss das Gasnetz in erreichbarer N\u00e4he sein sowie die entsprechenden Bioerdgasmengen aufnehmen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p>Der Beitrag zeigt, dass noch zahlreiche Fragen zu kl\u00e4ren sind. Allerdings wurden bereits gro\u00dfe Fortschritte erzielt. Unternehmen der deutschen Gaswirtschaft und ihrer Marktpartner arbeiten mit gro\u00dfem Engagement daran, dass Bioerdgas zu einem Erfolg wird.<\/p>\n<p>Weitere Informationen zu diesem Thema hat die ASUE in ihrer neuen <b>Brosch\u00fcre &#8220;Bioerdgas: Regenerative Energie mit Zukunft&#8221;<\/b> zusammengefasst. Die Publikation kann <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070727-04\/bioerdgas.pdf\" >hier<\/a> (PDF-Dokument, 1,3 MB) heruntergeladen werden. Einzelne Druckexemplare sind bei der ASUE (Tel.: 0631-360 90 70, E-Mail: <a href=\"mailto:info@asue.de\">info@asue.de<\/a>), kostenfrei erh\u00e4ltlich. <\/p>\n<p>\u00dcber den Verlag Rationeller Erdgaseinsatz (Postfach 25 47, 67613 Kaiserslautern, Fax: 0631-360 90 71) kann die Brosch\u00fcre zum Preis von 4 Euro pro Exemplar zuz\u00fcglich Verpackung, Versandkosten und Mehrwertsteuer bezogen werden (Mindestbestellwert 10 Euro). <\/p>\n<p>Weitere Informationen sind auch auf der ASUE-Internetseite <a href=\"http:\/\/www.bioerdgas-online.de\/\" >www.bioerdgas-online.de<\/a> erh\u00e4ltlich. Hier finden sich unter anderem Vortr\u00e4ge, Grafiken sowie eine animierte Pr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schmack-baut-europas-groesste-biogasanlage-mit-gaseinspeisung\/\" >2007-07-13<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eon-baut-das-biogas-geschaeft-aus\/\" >2007-02-09<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bioerdgas-als-kraftstoff-regierung-begruesst-selbstverpflichtung\/\" > 2006-05-24<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Seit einigen Monaten wird aufbereitetes Biogas, auch Biomethan oder Bioerdgas genannt, in das deutsche Erdgasnetz eingespeist. 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