{"id":10238,"date":"2007-08-03T00:00:00","date_gmt":"2007-08-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070803-01n"},"modified":"2007-08-03T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-02T22:00:00","slug":"biomasseanbau-kann-humusversorgung-gefaehrden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biomasseanbau-kann-humusversorgung-gefaehrden\/","title":{"rendered":"Biomasseanbau kann Humusversorgung gef\u00e4hrden"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost e.V. (<a href=\"http:\/\/www.bgkev.de\/\" >BGK<\/a>) macht darauf aufmerksam, dass der zunehmende Anbau nachwachsender Rohstoffe zur energetischen oder stofflichen Nutzung auf der Seite des Bodens mit steigenden Anspr\u00fcchen an eine ausreichende Humusreproduktion einhergeht. In Bezug auf die Humusversorgung der B\u00f6den entsteht eine zunehmende Konkurrenz zwischen den wirtschaftlichen Zielen der Biomasseproduktion und einer ausreichenden Humusreproduktion der Anbaufl\u00e4chen. Auch in Hinblick auf die Verringerung von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen sollte die Humsversorgung der B\u00f6den st\u00e4rkere Aufmerksamkeit erhalten. Es sollte die jeweils wirksamste Nutzungsform der jeweiligen Biomassen gew\u00e4hlt werden, die je nach Art des eingesetzten Stoffes die Energieerzeugung, die Humuserzeugung oder eine Kombination aus beiden sein kann.<\/b><\/p>\n<p>Die Erzeugung von Biomassen auf Fl\u00e4chen ist stets mit einem Eingriff in den Humushaushalt des Bodens verbunden. Um die Ertragsf\u00e4higkeit und Fruchtbarkeit der B\u00f6den auf Dauer zu sichern, sind Humusverluste auszugleichen. In der Regel erfolgt dies \u00fcber verbleibende Ernter\u00fcckst\u00e4nde und organische D\u00fcnger.<\/p>\n<p><b>Keine Biomassewirtschaft ohne Humuswirtschaft<\/b><br \/>Beim Anbau nachwachsender Rohstoffe ist das wirtschaftliche Interesse mehr denn je auf die &#8220;Ernte von Kohlenstoff&#8221; ausgerichtet. Dabei stehen humuszehrende Pflanzenkulturen im Vordergrund. Dies bedeutet, dass der Boden beim Anbau von z.B. Mais etwa 800kg Humus-C je Hektar verliert. &#8220;Humus-C&#8221; ist der abbaustabile Teil der organischen Substanz, der f\u00fcr wichtige Bodenfunktionen verantwortlich und eine wesentliche Voraussetzung der Ertragsf\u00e4higkeit ist.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Humusversorgung der B\u00f6den entsteht eine zunehmende Konkurrenz zwischen den wirtschaftlichen Zielen der Biomasseproduktion und einer ausreichenden Humusreproduktion der Anbaufl\u00e4chen. Die Entwicklung wird durch den verst\u00e4rkten Anbau humuszehrender Kulturpflanzen, die vermehrte Abfuhr von Ernter\u00fcckst\u00e4nden wie Stroh sowie den Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigt. Letzterer ist im hier diskutierten Zusammenhang durch eine Abnahme der Viehhaltung verbunden mit einer Verringerung des Feldfutterbaus (d.h. von humusmehrenden Kulturen<br \/>wie Ackergras) und einer Zunahme von Wirtschaftsd\u00fcngern mit geringen Humusreproduktionsleistungen (z. B. G\u00fclle) charakterisiert. F\u00fcr die Biomasseproduktion ist auf Dauer aber entscheidend, dass die Versorgung des Bodens mit abbaustabiler organischer Substanz gew\u00e4hrleistet bleibt. Vor diesem Hintergrund sind Bioabf\u00e4lle nicht nur in Bezug auf die in ihnen enthaltenen Pflanzenn\u00e4hrstoffe oder ihr Energiepotential, sondern auch in Bezug auf ihre Leistungsf\u00e4higkeit zur Humusreproduktion zu bewerten.<\/p>\n<p><center><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070803-01\/huk_07_072.jpg\" align=\"center\" BORDER=\"0\" ALT=\"huk_07_072.jpg\"\/><\/center><br style=\"clear:left;\"\/><br \/><b>Hochwertige Verwertung<\/b><br \/>Das Verwertungsgebot des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetztes (KrW\/AbfG) steht unter der Pr\u00e4misse einer m\u00f6glichst hochwertigen Verwertung. Abf\u00e4lle sind so zu verwerten, dass ihre spezifischen Eigenschaften und Eignungen optimal genutzt werden. Hohe Heizwerte pr\u00e4destinieren zur thermischen Verwertung (Holz, Stroh), hohe Energiegehalte, wie sie bei Mais gegeben sind, zur Biogasgewinnung und f\u00fcr die Humusreproduktion gelten solche Stoffe als besonders hochwertig, die in der Lage sind, Humusverluste des Bodens m\u00f6glichst effizient auszugleichen.<\/p>\n<p><b>Humusreproduktion beachten<\/b><br \/>F\u00fcr die Humusreproduktion von B\u00f6den wird dabei derjenige Anteil der organischen Substanz angerechnet, der im Boden mittelfristig verbleibt (Humus-C bzw. &#8220;Dauerhumus&#8221;). Der leicht abbaubare Anteil der organischen Substanz (&#8220;N\u00e4hrhumus&#8221;) ist dagegen f\u00fcr das Bodenleben wertvoll. In Bezug auf die Humusreproduktion ist er nicht anrechenbar. Daraus ergibt sich, dass v.a. die stabilisierte organische Substanz, wie sie \u00fcberwiegend im Kompost vorliegt, bei der Humusreproduktion besonders wirksam und hochwertig ist.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070803-01\/huk_07_073.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"huk_07_073.jpg\"\/>Fl\u00fcssige organische D\u00fcnger wie G\u00fclle oder fl\u00fcssige G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nde aus Biogasanlagen k\u00f6nnen zur Humusreproduktion nur einen geringen Beitrag leisten. Dies liegt nicht nur an den vergleichsweise geringen Gehalten an Humus-C, sondern auch daran, dass die m\u00f6glichen Aufwandmengen durch hohe N\u00e4hrstoffgehalte deutlich eingeschr\u00e4nkt sind (Tabelle). Eine Humusanreicherung, wie sie bei bereits humusverarmten B\u00f6den erforderlich ist, ist mit solchen Stoffen gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung der Methode des Verbandes der landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (<a href=\"http:\/\/www.vdlufa.de\/\" >VDLUFA<\/a>) zur Humusbilanzierung stehen Instrumente Instrumente zur Quantifizierung und Bewertung der Humusreproduktion zur Verf\u00fcgung. Damit kann der spezifische Nutzwert von organischen Stoffen wie Bioabf\u00e4llen quantifiziert und in die Bewertung einer &#8220;hochwertigen Verwertung&#8221; einbezogen werden.<\/p>\n<p><b>Biomassen optimal einsetzen<\/b><br \/>Bei der Fortentwicklung der Biomassewirtschaft sollte die Steuerung der Stoffstr\u00f6me so erfolgen, dass eine m\u00f6glichst effiziente Nutzung der jeweiligen Biomasse gew\u00e4hrleistet wird. F\u00fcr Bioabf\u00e4lle ist es sinnvoll, sie in Form von Kompost gezielt zur Humusreproduktion von Anbaufl\u00e4chen einzusetzen. Dies gilt umso mehr, wenn energetisch hochwertigere Stoffe wie etwa Stroh, welches zur Humusreproduktion auf den Fl\u00e4chen verbleiben m\u00fcsste, zur energetischen oder anderweitigen Nutzung freigesetzt werden kann. <b>Stroh ist der bessere Brennstoff, Kompost der bessere Humusd\u00fcnger<\/b>. Selbst &#8220;Energiepflanzenfruchtfolgen&#8221; mit zun\u00e4chst negativer Humusbilanz k\u00f6nnen sinnvoll sein, wenn der Zusatznutzen (zus\u00e4tzlicher Energieertrag) im Vergleich zu einer Fruchtfolge mit ausgeglichener Humusbilanz h\u00f6her ist als die Aufwendungen, die f\u00fcr einen Humusbilanzausgleich mit hochwirksamen organischen D\u00fcngern wie Kompost erforderlich sind.<\/p>\n<p>Komposte erhalten f\u00fcr die Landwirtschaft in diesem Zusammenhang einen ganz neuen Stellenwert. Bei der Bewertung der Nachhaltigkeit der Produktion von Biomassen rangiert die Humusreproduktion der Anbaufl\u00e4chen ganz oben. Dies zeigt z.B. das von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (<a href=\"http:\/\/www.dlg.org\/\" >DLG<\/a>) entwickelte &#8220;Nachhaltigkeitszertifikat&#8221; f\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe, bei dem eine ausgeglichene Humusreproduktion Bestandteil des Bewertungsschemas ist. <\/p>\n<p><b>CO<sub>2<\/sub>-Relevanz<\/b><br \/>Biomasseproduktion, die mit negativen Humusbilanzen von Abbaufl\u00e4chen einhergeht, ist nicht CO<sub>2<\/sub>-neutral, sondern mit &#8220;Netto-Emissionen&#8221; von CO<sub>2<\/sub> aus dem Boden verbunden. Der Verlust von Humus betrifft dabei nicht nur den Boden. Er schm\u00e4lert auch den Wert der energetischen Nutzung der Biomasse im Hinblick auf die angestrebte CO<sub>2<\/sub>-Reduktion. B\u00f6den, die an Humus stark verarmt sind (devastierte Fl\u00e4chen), haben aus dem Bodenvorrat bereits erhebliche Mengen an CO<sub>2<\/sub> emittiert. Der Verlust von nur 0,1%-Punkt Humus geht mit einer Freisetzung von 25t CO<sub>2<\/sub> je ha einher. Dieses &#8220;verlorene&#8221; CO<sub>2<\/sub> kann durch Zufuhr organischer Stoffe wieder eingebunden werden. Geeignet sind hier v.a. Komposte. Sie sind in der Lage, starke Kohlenstoffverluste des Bodens relativ kurzfristig auszugleichen.<\/p>\n<p>Wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass schlussendlich bei jeder Nutzung von Biomasse, gleich welcher Art, die Biomasse zu CO<sub>2<\/sub>, Wasser und Mineralstoffen abgebaut wird, sollte die Nutzung von Biomasse so erfolgen, dass bei alternativen Nutzungsm\u00f6glichkeiten diejenige Nutzung den Vorrang hat, bei der die Veratmung des Kohlenstoffs mit dem h\u00f6chstm\u00f6glichen Nutzen verbunden ist. Kompostierte Bioabf\u00e4lle (Biotonne, Gr\u00fcnabf\u00e4lle) haben in Form von Kompost den h\u00f6chstm\u00f6glichen Nutzen bei der Humusreproduktion.<\/p>\n<p><b>Kompostierung oder Verg\u00e4rung?<\/b><br \/>Ob getrennt erfasste Bio-, Garten- und Parkabf\u00e4lle direkt kompostiert werden sollten, oder ob es sinnvoll ist, \u00fcber eine vorgeschaltete Verg\u00e4rungsstufe einen energetischen Zusatznutzen in Form von Strom und W\u00e4rme zu erreichen, h\u00e4ngt im wesentlichen von der stofflichen Eignung der jeweiligen Biomasse und den Kosten ab. \u00dcber den energetischen Zusatznutzen allein rechnet sich die Verg\u00e4rung gegen\u00fcber der reinen Kompostierung h\u00e4ufig nicht. In der Regel kommen andere Gr\u00fcnde hinzu, die Entscheidungen f\u00fcr eine Verg\u00e4rung begr\u00fcnden. Sind solche Gr\u00fcnde nicht gegeben, bleibt es bei der Kompostierung. Bei der Verg\u00e4rung von Bioabf\u00e4llen entstehen G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nde, die als organische D\u00fcnger verwertet werden. In diesem Sinne kann die Verg\u00e4rung auch als stoffliches Verwertungsverfahren angesprochen werden. <\/p>\n<p>Neben Pflanzenn\u00e4hrstoffen enthalten G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nde erhebliche Anteile an organischer Substanz, die dem Boden als N\u00e4hr- oder Dauerhumus dienen. In fl\u00fcssigen G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nden ist der Anteil an hochwirksamem Humus-C allerdings gering. In festen G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nden ist der Anteil h\u00f6her, v.a. dann, wenn nachkompostiert wird. Untersuchungen zur n\u00e4heren Bestimmung der Humusreproduktionsleistung von G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nden werden derzeit von der VDLUFA AG zur Pr\u00e4zisierung der Humusbilanzierung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><br \/>Der zunehmende Anbau nachwachsender Rohstoffe zur energetischen oder stofflichen Nutzung geht auf der Seite des Bodens mit steigenden Anspr\u00fcchen an eine ausreichende Humusreproduktion einher. In diesem Zusammenhang gewinnen hochwirksame organische D\u00fcnger wie Kompost erheblich an Bedeutung. Sie sind in der Lage, die Humusversorgung des Bodens mit vergleichsweise geringen Aufwandmengen zu gew\u00e4hrleisten. Sie erm\u00f6glichen es, die &#8220;Energieertr\u00e4ge&#8221; der Anbaufl\u00e4chen zu optimieren. Diese Aspekte sind bei der Bewertung der Kompostierung neben denen der N\u00e4hrstoffversorgung st\u00e4rker als bislang zu ber\u00fccksichtigen. Bei der Verwertung von Bioabf\u00e4llen sollte die Lenkung von Stoffstr\u00f6men und die Setzung von F\u00f6rderma\u00dfnahmen auf eine m\u00f6glichst hochwertige Verwertung ausgerichtet sein. <\/p>\n<p>Eine diesbez\u00fcgliche Effizienzstrategie schlie\u00dft Leistungen der Humusreproduktion und des Humusaufbaues ebenso ein wie deren Wirkungen auf den CO<sub>2<\/sub>-Haushalt. Eine hochwertige Verwertung ist bei Bioabf\u00e4llen nur dann gegeben, wenn die enthaltenen Wertstoffe wie Humus-C und Pflanzenn\u00e4hrstoffe nutzbar gemacht werden. Dies kann auch mit einer energetischen Teilnutzung, z.B. \u00fcber die Biogasgewinnung, verbunden sein. Die energetische Nutzung allein sch\u00f6pft das Potential \u00fcblicher Bioabf\u00e4lle allerdings nicht aus. Anreize, wie der KWK-Bonus des EEG, der f\u00fcr eine Trocknung von G\u00e4rr\u00fcckst\u00e4nden oder anderen feuchten Bioabf\u00e4llen mit anschlie\u00dfender Verbrennung derselben genutzt werden kann, k\u00f6nnen daher kontraproduktiv sein. Sie bergen die Gefahr, dass bestehende stoffliche Verwertungen verdr\u00e4ngt werden oder nicht zum Zuge kommen. An dieser Stelle ist der Verordnungsgeber gefordert, Fehlentwicklungen zu verhindern.<\/p>\n<p><i>Die Ausgabe 7\/2007 des &#8221; Informationsdiensts Humuswirtschaft &#038; Kompost&#8221; mit dem Beitrag &#8220;Perspektiven der Kompostierung in der Biomassewirtschaft&#8221; kann <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070803-01\/huk_07_07.pdf\" >hier<\/a> als PDF-Dokument heruntergeladen werden.<\/i><\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/holzkohle-renaissance-als-kohlenstoffsenke-und-bodenverbesserer\/\" >2007-07-09<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Bundesg&uuml;tegemeinschaft Kompost e.V. 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