{"id":10230,"date":"2007-08-06T00:00:00","date_gmt":"2007-08-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070806-04n"},"modified":"2007-08-06T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-05T22:00:00","slug":"moos-als-lebender-feinstaubfilter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/moos-als-lebender-feinstaubfilter\/","title":{"rendered":"Moos als lebender Feinstaubfilter"},"content":{"rendered":"<p><b>Wissenschaftler der Universit\u00e4t Bonn haben entdeckt, dass Moose gef\u00e4hrliche Feinst\u00e4ube &#8220;schlucken&#8221; k\u00f6nnen. Wie ein biologisches Mikrofaser-Staubtuch nehmen die Pflanzen gro\u00dfe Mengen der gef\u00e4hrlichen Luftpartikel auf und machen Feinstaub somit zur Biomasse. Nun planen die Forscher um Jan-Peter Frahm, diese nat\u00fcrlichen Luftfilter erstmals auch zur Stra\u00dfenbegr\u00fcnung einzusetzen.<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Viele Abgas-Bestandteile dienen Moosen als Nahrung, andere werden durch Bakterien abgebaut, die auf den Moosbl\u00e4ttchen leben&#8221;, so Frahm, Leiter der <a href=\"http:\/\/www.bryologie.uni-bonn.de\/\" >Arbeitsgruppe Bryologie<\/a> der Universit\u00e4t Bonn im Interview mit pressetext. Ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Feinst\u00e4ube besteht aus Ammoniumsalzen, \u00fcberwiegend Ammoniumnitrat. Diese bilden sich aus Ammoniak &#8211; auf dem Lande aus der Landwirtschaft, in den St\u00e4dten aus Katalysatoren &#8211; sowie aus Stickoxiden. &#8220;Ammonium ist ein wichtiger N\u00e4hrstoff, den die unscheinbaren Pflanzen zum Wachstum ben\u00f6tigen.&#8221; Organische Feinst\u00e4ube wie etwa aus dem Reifenabrieb werden zudem von Bakterien abgebaut, die in gro\u00dfer Menge in einem Biofilm auf den Oberfl\u00e4chen der Bl\u00e4tter leben. Die restlichen anorganischen, nicht in Wasser l\u00f6slichen St\u00e4ube, werden von den Moosen festgehalten und sedimentieren in ihren Rasen.<\/p>\n<p>&#8220;Es war eigentlich eher ein Zufall, dass wir entdeckt haben, dass die Moose auch den anfallenden Feinstaub erheblich reduzieren&#8221;, erkl\u00e4rt Frahm. Eine Kombination aus Eigenschaften machen die Moose zum Feinstaub-Killer: Zum einen ist da ihre riesige Oberfl\u00e4che. &#8220;Ein Moospolster von einem Quadratmeter Gr\u00f6\u00dfe hat f\u00fcnf Mio. kleinste Bl\u00e4ttchen.&#8221; Jedes dieser Bl\u00e4ttchen zieht Mikropartikel aus der Luft an. &#8220;Die Moosoberfl\u00e4che ist negativ geladen, ein Ammoniumion dagegen positiv&#8221;, f\u00fchrt der Experte aus. Nach diesem Prinzip funktionieren auch die Mikrofaser-Staubt\u00fccher.<\/p>\n<p>Besonders g\u00fcnstig bei den Moosen sei au\u00dferdem, dass sie extrem pflegeleicht sind, erkl\u00e4rt Frahm. &#8220;Wir haben Moosmatten patentiert, die urspr\u00fcnglich zur Dachbegr\u00fcnung konzipiert worden sind.&#8221; Der urspr\u00fcngliche Zweck dieser Matten war es, Gr\u00fcn in St\u00e4dte und Industrieanlagen zu bringen, den oberfl\u00e4chlichen Abfluss von Regenwasser zu vermindern und durch Verdunstung das Kleinklima zu verbessern sowie mit einer biologischen Oberfl\u00e4che einen Lebensraum f\u00fcr vielerlei Kleinstorganismen zu bieten. &#8220;Mit den Moosmatten, die als Schlingenteppich konzipiert sind, k\u00f6nnen so biologische Oberfl\u00e4chen gebildet werden, deren Zuwachsraten minimal sind und die zwischen zehn und 15 Jahre lang problemlos halten&#8221;, erkl\u00e4rt Frahm. &#8220;Alles, was sie brauchen, ist gen\u00fcgend Feuchtigkeit, da trockenes Moos kaum Wirkung entfalten kann.&#8221;<\/p>\n<p>Geht es nach Frahms Pl\u00e4nen, k\u00f6nnten schon bald Autobahnmittelstreifen mit den Moosmatten belegt werden. Im Labor konnte Frahm mit seinen Kollegen die Wirkweise schon zeigen. Bis zu 20 Gramm Feinstaub konnten die Moospolster von einem Quadratmeter Gr\u00f6\u00dfe aufnehmen. Im Vergleich dazu fallen an einer viel befahrenen Stra\u00dfe j\u00e4hrlich etwa 14 Gramm Feinstaub pro Quadratmeter an. &#8220;Den Nachweis auf den Stra\u00dfen m\u00fcssen wir derzeit aber noch schuldig bleiben&#8221;, erkl\u00e4rt der Forscher. Demn\u00e4chst sollen in der Umgebung von Bonn auf einem Autobahnst\u00fcck solche Moosmatten ausgebracht werden. Eines ist allerdings jetzt schon klar: Feinstaub gilt als extrem giftig und kostet nach Sch\u00e4tzungen der EU-Kommission j\u00e4hrlich 300.000 Europ\u00e4ern das Leben.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/anbau-von-torfmoos-zu-duengerzwecken\/\" >2004-05-24<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Wissenschaftler der Universit&auml;t Bonn haben entdeckt, dass Moose gef&auml;hrliche Feinst&auml;ube &#8220;schlucken&#8221; k&ouml;nnen. 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