{"id":102091,"date":"2021-12-17T07:26:00","date_gmt":"2021-12-17T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=102091"},"modified":"2021-12-13T13:37:57","modified_gmt":"2021-12-13T12:37:57","slug":"wenige-tage-bestimmen-den-zuwachs-unserer-baume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wenige-tage-bestimmen-den-zuwachs-unserer-baume\/","title":{"rendered":"Wenige Tage bestimmen den Zuwachs unserer B\u00e4ume"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel.jpg\" alt=\"Abb. 1. Punktdendrometer an einem Stamm zur Messung von kontinuierlichen Stammradius\u00e4nderungen mit Mikrometeraufl\u00f6sung. Die Daten liefern Informationen zum Wachstum und zum Wasserhaushalt von B\u00e4umen.\" class=\"wp-image-102104\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel.jpg 1280w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel-150x113.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel-768x576.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/WSL_fig1_Zweifel-360x270.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Abb. 1. Punktdendrometer an einem Stamm zur Messung von kontinuierlichen Stammradius\u00e4nderungen mit Mikrometeraufl\u00f6sung. Die Daten liefern Informationen zum Wachstum und zum Wasserhaushalt von B\u00e4umen. (Bild: Roman Zweifel, WSL)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Steigende Temperaturen verl\u00e4ngern die Wachstumsperiode in unseren Breiten, was sich theoretisch positiv auf das Waldwachstum auswirken k\u00f6nnte. Eine Studie unter Leitung der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigt nun aber, dass B\u00e4ume nur an wenigen Tagen \u00fcberhaupt wachsen. W\u00e4rmere Tage im Fr\u00fchling und Herbst k\u00f6nnen dadurch kaum zum Holzwachstum beitragen, was f\u00fcr die k\u00fcnftige Kohlenstoff-Senkenleistung von W\u00e4ldern von Bedeutung ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Wachstum von B\u00e4umen in Abh\u00e4ngigkeit von Temperatur, Wasserverf\u00fcgbarkeit und Lichtverh\u00e4ltnissen zu verstehen, ist entscheidend, um die Vorhersage der Kohlenstoff-Senkenleistung von W\u00e4ldern zu verbessern. In einer neuen <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1111\/ele.13933\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie, die in der Fachzeitschrift <em>Ecology Letters<\/em> ver\u00f6ffentlicht<\/a> wurde, gingen WSL-Forschende und ihre internationalen Co-Autoren einen Schritt weiter und quantifizierten nicht nur wie, sondern auch wann und warum B\u00e4ume innerhalb eines Jahres wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr verwendeten sie Wachstumsdaten, die w\u00e4hrend acht Jahren t\u00e4glich an 160 B\u00e4umen an 47 Standorten in der ganzen Schweiz automatisch gemessen wurden. Alle sieben Baumarten legten an \u00fcberraschend wenigen Tagen neue Holzzellen an. Im Allgemeinen wuchsen B\u00e4ume im Fr\u00fchjahr zunehmend schnell, mit einem Spitzenwachstum in April bis Juni und einem meist starken R\u00fcckgang kurz vor der Sommersonnenwende. Die Studie ging der Frage nach, warum die Anzahl der Wachstumstage so klein ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Wachstumsleistung eines Baumes h\u00e4ngt von nur wenigen Tagen ab<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Vegetationsperiode (12% bis 30%) tats\u00e4chlich f\u00fcr das j\u00e4hrliche Wachstum genutzt wird: Von den 365 Tagen des Jahres z\u00e4hlen etwa 250 Tage zur Vegetationsperiode und davon wiederum sind 90-120 Tage m\u00f6gliche Wachstumstage. Die Messdaten ergaben, dass die B\u00e4ume aber tats\u00e4chlich noch seltener wuchsen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abErstaunlich war, dass alle sieben untersuchten Baumarten durchschnittlich an nur 29 bis 77 Tagen pro Jahr wuchsen\u00bb, kommentiert Sophia Etzold, Biologin an der WSL in Birmensdorf und Erstautorin der Studie. Die meisten Tage pro Jahr wuchs die Tanne, die wenigsten die Waldf\u00f6hre. Die Fichte wiederum verzeichnete die gr\u00f6ssten t\u00e4glichen Wachstumsraten (25 \u00b5m\/Tag), erreichte aber durchschnittlich nur 43 Wachstumstage pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.wsl.ch\/fileadmin\/\/user_upload\/WSL\/News-WSL\/2021\/12_Baumwachstum\/Fig_Season_DE.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"374\" height=\"331\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_Season_DE_b3611eedbc.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-102106\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_Season_DE_b3611eedbc.png 374w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_Season_DE_b3611eedbc-300x266.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_Season_DE_b3611eedbc-150x133.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_Season_DE_b3611eedbc-305x270.png 305w\" sizes=\"auto, (max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/a><figcaption>Abb. 2. T\u00e4gliche radiale Stammwachstumsdaten von sieben Baumarten an 47 Standorten in der Schweiz (Mittel \u00fcber die Jahre 2012-2018). Je dunkler gr\u00fcn ein Tag gef\u00e4rbt ist, desto gr\u00f6sser ist das Wachstum. Graue Fl\u00e4chen zeigen die mittlere Wachstumsperiode pro Art und Standort. Die gestrichelte Linie markiert die Sommersonnenwende (21. Juni), nach der das Wachstum bei allen Arten stark abnimmt. (Grafik: Sophia Etzold, WSL)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Je gr\u00f6sser der Holzzuwachs, desto mehr Kohlenstoff vermag ein Baum aus der Luft zu binden. Die neue Studie zeigt, dass die L\u00e4nge der Wachstumsperiode dabei kaum eine Rolle spielt, und ein fr\u00fcher Wachstumsstart vor April, sowie ein sp\u00e4tes Ende nach Oktober sogar tendenziell zu weniger Jahreswachstum f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine l\u00e4ngere Vegetationsperiode f\u00fchrt nicht zu mehr Wachstum<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00abDas ist im Kontext von steigenden CO2-Konzentrationen und der damit verbundenen Klimaerw\u00e4rmung eine wichtige Erkenntnis\u00bb, betont Roman Zweifel, Leiter des Messnetzwerks TreeNet, aus dem die Daten stammen. Die globale Erw\u00e4rmung hat zwar die Vegetationsperiode, in der ausreichende Wachstumsbedingungen f\u00fcr unsere B\u00e4ume herrschen, verl\u00e4ngert. Dieser Vorteil kann aber den negativen Einfluss von Hitze und Trockenheit w\u00e4hrend der eigentlichen Wachstumsmonate April bis Juni nicht kompensieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tagesl\u00e4nge und Feuchtigkeit bestimmen, ob gewachsen wird<\/h3>\n\n\n\n<p>Es deutet vieles darauf hin, dass unsere B\u00e4ume einer inneren Uhr folgen, die das Wachstum ab der Sonnenwende (ca. 21. Juni) verringert, auch wenn die \u00e4usseren Bedingungen noch gut sind. \u00abWir nehmen an, dass die abnehmende Tagesl\u00e4nge als Signal wirkt, um das Wachstum abzuschliessen und anderen Prozessen den Vorrang zu geben (z. B. Verholzung der sekund\u00e4ren Zellw\u00e4nde, Anlage von Fr\u00fcchte, Knospen und Reserven), womit der Baum sich auf den kommenden Winter vorbereitet\u00bb, erkl\u00e4rt Sophia Etzold. F\u00fcr alle untersuchten Arten bestimmt das j\u00e4hrliche Tagesl\u00e4ngenmuster ein Zeitfenster f\u00fcr Wachstum. Innerhalb dessen ist dann aber die Wasserverf\u00fcgbarkeit in Luft und Boden entscheidend, ob die B\u00e4ume auch wirklich wachsen. Ist die Luft oder der Boden zu trocken, wird das Stammwachstum gehemmt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenige Wachstumstage \u2013 Fluch und Segen zugleich<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Studie zeigt, dass schlechte Wachstumsbedingungen, z. B. Trockenheit und Hitze in der Hauptwachstumsperiode von April bis Juni sich kaum mehr kompensieren lassen. Was in dieser Zeit an Wachstum verpasst wird, bleibt weitgehend als Wachstumsdefizit bis Ende Jahr in der Form eines schmaleren Jahrringes bestehen. Dies trifft generell Nadelb\u00e4ume mehr als Laubb\u00e4ume, da erstere in der Regel bis zu 30 Tagen sp\u00e4ter anfangen, Holz anzulegen und damit ein k\u00fcrzeres Zeitfenster mit optimalem Wachstum haben. Fichten in tieferen, trockeneren Lagen d\u00fcrften auch deswegen in der gegenw\u00e4rtigen Klimaentwicklung kaum eine Chance haben. In h\u00f6heren Lagen jedoch k\u00f6nnen h\u00f6here Temperaturen helfen, das optimale Wachstumszeitfenster besser zu treffen, weil kalte Bedingungen erwiesenermassen den Wachstumsstart verz\u00f6gern.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Kohlenstoff-Senkenleistung von W\u00e4ldern spielt es weniger eine Rolle, ob sich die Vegetationsperiode verl\u00e4ngert, sondern vielmehr ob sich Zeitfenster mit guten Wachstumsbedingungen auch in Zukunft noch einstellen werden. Wie k\u00fcrzlich ebenfalls von der WSL berichtet, erlauben vor allem die feuchten Nachtstunden die Zellteilung von B\u00e4umen. Es besteht damit die Hoffnung, dass wenige feuchte N\u00e4chte auch innerhalb von generell trockeneren Bedingungen f\u00fcr das j\u00e4hrliche Holzwachstum ausreichen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1020\" height=\"357\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-102105\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1.png 1020w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1-300x105.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1-150x53.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1-768x269.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/12\/csm_Fig_GRO_DE_75213cb1d1-400x140.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1020px) 100vw, 1020px\" \/><figcaption>Abb. 3. Das durchschnittliche Wachstum pro Tag (linke Grafik) und die Anzahl Wachstumstage pro Jahr charakterisieren das Gedeihen der sieben untersuchten Baumarten. F\u00fcr einen grossen Stammzuwachs pro Jahr ist haupts\u00e4chlich eine grosse Zahl an Wachstumstagen wichtig. (Grafik: Roman Zweifel, WSL)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber das TreeNet<\/h3>\n\n\n\n<p>TreeNet ist ein Umwelt-Monitoring-Netzwerk zur Messung von Baumwachstum und Trockenheit. Es wird betrieben durch die wissenschaftlichen Institutionen WSL, ETH Z\u00fcrich, Universit\u00e4t Basel und dem Institut f\u00fcr angewandte Pflanzenbiologie IAP in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern. TreeNet wird finanziell unterst\u00fctzt durch das Bundesamt f\u00fcr Umwelt BAFU.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steigende Temperaturen verl\u00e4ngern die Wachstumsperiode in unseren Breiten, was sich theoretisch positiv auf das Waldwachstum auswirken k\u00f6nnte. Eine Studie unter Leitung der Eidg. Forschungsanstalt WSL zeigt nun aber, dass B\u00e4ume nur an wenigen Tagen \u00fcberhaupt wachsen. W\u00e4rmere Tage im Fr\u00fchling und Herbst k\u00f6nnen dadurch kaum zum Holzwachstum beitragen, was f\u00fcr die k\u00fcnftige Kohlenstoff-Senkenleistung von W\u00e4ldern [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Entgegen bisheriger Vorstellung: B\u00e4ume wachsen nur an einigen Tagen","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608,13536,13185],"supplier":[3903,277,19539,79,2845],"class_list":["post-102091","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","tag-forstwirtschaft","tag-holz","supplier-eidgenoessischen-forschungsanstalt-fuer-wald-schnee-und-landschaft-wsl","supplier-eidgenoessische-technische-hochschule-zuerich-eth-zuerich","supplier-institut-fur-angewandte-pflanzenbiologie-iap","supplier-schweizer-bundesamt-fuer-umwelt-bafu","supplier-universitaet-basel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102091\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102091"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=102091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}