{"id":10155,"date":"2007-06-22T00:00:00","date_gmt":"2007-06-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070622-17n"},"modified":"2007-06-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-06-21T22:00:00","slug":"klimagasemissionen-von-bioenergienutzungen-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klimagasemissionen-von-bioenergienutzungen-im-vergleich\/","title":{"rendered":"Klimagasemissionen von Bioenergienutzungen im Vergleich"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (<a href=\"http:\/\/www.ufop.de\/\" >UFOP<\/a>) hat das <a href=\"http:\/\/www.ie-leipzig.de\/\" >Institut f\u00fcr Energetik und Umwelt<\/a> in Leipzig beauftragt, die Klimagasemissionen unterschiedlicher Nutzungspfade der Biomasse zu untersuchen und deren m\u00f6glichen Beitrag zur Klimagasminderung bis 2010 zu ermitteln. Bei den untersuchten Nutzungspfaden wurden sowohl biogene Reststoffe (z. B. Holzreste, Stroh, G\u00fclle) als auch der Energiepflanzenanbau ber\u00fccksichtigt.<\/b> <\/p>\n<p>Mit den Technologien zur Biomassenutzung k\u00f6nnen gem\u00e4\u00df der Studie folgende Klimagasminderungen erreicht werden:<\/p>\n<ul>\n<li><i>W\u00e4rme:<\/i> Bei der W\u00e4rmebereitstellung mit Biomasse k\u00f6nnen im Vergleich mit Nutzungstechnologien auf Basis fossiler Energietr\u00e4ger je nach Nutzungssystem etwa 40% bis 90% der Klimagasemissionen vermieden werden.<\/li>\n<li><i>Strom:<\/i> Im Vergleich zum deutschen Strommix liegen die Klimagasemissionen bei einer <i>Stromerzeugung<\/i> aus Biomasse etwa um 50% bis 90% niedriger.<\/li>\n<li><i>Kraftstoff:<\/i> Im Vergleich zum mineral\u00f6lbasierten Benzin wird mit einem <i>Bioethanolanteil<\/i> von 85% (E85 aus Zucker) eine deutliche Minderung der Klimagasemissionen (ca. 36%) erreicht. Die Beimischung von 5 Volumenprozent (E5) hat lediglich eine Klimagasminderung von ca. 1,5% zur Folge.<br \/>Durch den Einsatz von <i>Biodiesel<\/i> lassen sich trotz der Emissionen aus der Produktionskette \u2013 u. a. wegen Emissionen bei der landwirtschaftlichen Produktion \u2013 im Vergleich zu mineral\u00f6lbasiertem Diesel etwa 54% der Klimagasemissionen einsparen. Die Nutzung von B5 und B10 spart etwa 3% bzw. 6% der Klimagasemissionen ein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die m\u00f6glichen Minderungseffekte f\u00fcr Klimagasemissionen sind im Kraftstoffsektor mittels Biomasse niedriger als bei der Bereitstellung von W\u00e4rme und Strom. Biokraftstoffe sind aber auf absehbare Zeit die einzige Kraftstoffalternative zur Reduzierung des fossilen CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes und der Importabh\u00e4ngigkeit bei Roh\u00f6l.<\/p>\n<p><b>57 Mio t CO<sub>2<\/sub>-Verminderung bis 2010 m\u00f6glich<\/b><br \/>W\u00fcrden alle verf\u00fcgbaren Nutzungspotenziale der Biomasse aus verf\u00fcgbaren Reststoffen und landwirtschaftlichen Anbaufl\u00e4chen ohne Lebensmittelproduktion (2 Mio. ha) optimal genutzt, k\u00f6nnte im Jahr 2010 der Beitrag zur Klimagasminderung 57 Mio. t erreichen. Bezogen auf die Klimagasemissionen im Jahr 2000 lie\u00dfe sich somit eine Minderung um etwa 6% realisieren. Mit der Aktivierung weiterer Ackerfl\u00e4chen, die langfristig nicht mehr f\u00fcr die Lebensmittelproduktion gebraucht werden, und verbunden mit Ertragssteigerungen beim Pflanzenanbau ist vor allem nach 2010 von deutlich h\u00f6heren Potenzialen der Biomasse zur Klimagasminderung auszugehen. Andererseits wird sich in Bezug auf den Energiepflanzenanbau in der Realit\u00e4t ein optimierter Anbau mit ausschlie\u00dflicher Ausrichtung auf die h\u00f6chsten Beitr\u00e4ge zur Klimagasminderung mit der Folge gro\u00dffl\u00e4chiger deutschlandweiter Monokulturen wohl nicht durchsetzen. Auch unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung in der Landwirtschaft wird nur ein Mix von unterschiedlichen Energiepflanzen zielf\u00fchrend sein. Zudem sind f\u00fcr die Erreichung energiepolitischer Ziele wie die Erh\u00f6hung des Anteils erneuerbarer Energien an der Kraftstoffversorgung nicht alle Biomassepotenziale gegenw\u00e4rtig gleicherma\u00dfen geeignet.<\/p>\n<p><b>Leitlinien f\u00fcr den Energiemix der Zukunft<\/b><br \/>Obwohl mit einer forcierten Biomassenutzung ein deutlicher und steigerbarer Beitrag zur Klimagasminderung geleistet werden kann, wird sich die Energieversorgung in Deutschland noch \u00fcber lange Zeit auf einen breiten Energiemix aus fossilen und erneuerbaren Energien abst\u00fctzen m\u00fcssen. An folgenden Leitlinien f\u00fcr den Energiemix der Zukunft sollte die Energieversorgung orientieren werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Energiemix der Zukunft muss an den gleichrangigen Zielen einer sicheren, wirtschaftlichen und umweltvertr\u00e4glichen Versorgung ausgerichtet sein. Im Sinne einer sozialvertr\u00e4glichen Versorgung sind Akzeptanzaspekte zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<li>Die Nutzung aller heimischen Energieressourcen \u2013 hierzu geh\u00f6ren vor allem Braun- und Steinkohle sowie erneuerbare Energien \u2013 ist eine wesentliche Grundlage f\u00fcr eine sichere Versorgung. Es ist daher sinnvoll, die bestehenden Optionen mit dem Ziel einer nachhaltigen Effizienzsteigerung sinnvoll zu nutzen und in einem strategisch ausgerichteten Energietr\u00e4germix zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<li>Die Balance zwischen den energiepolitischen Zielen war und ist immer eine Gratwanderung. Diese Balance erfordert einen dynamischen Anpassungsprozess an sich \u00e4ndernde Rahmenbedingungen. Nur bei einem ausgewogenen Energiemix, bei dem kein Energietr\u00e4ger ausgeschlossen wird, k\u00f6nnen die Vor- und Nachteile der einzelnen Energietr\u00e4ger in ihrer Kombination zur Erf\u00fcllung des energiepolitischen Zieldreiecks beitragen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor dem Hintergrund der Biomassenutzungspotenziale und den damit verbundenen ernergieversorgungs- und umweltpolitischen Erwartungen sowie Zielsetzungen wird die Politik auch an ihren daran ausgerichteten Initiativen zur Schaffung einer zukunftsorientierten Forschung gemessen. Im Bereich der Biomasse ist dies bislang nur in Ans\u00e4tzen erkennbar.<\/p>\n<p><b>Umfangreicher F\u00f6rderbedarf<\/b><br \/>M\u00f6glich wird die Forcierung der Entwicklung durch eine Fortf\u00fchrung und erhebliche Intensivierung der F&#038;E-Begleitung bzw. Forschungskoordinierung und Innovationsf\u00f6rderung bei nachwachsenden Rohstoffen. F\u00fcr die Biomasseanwendung w\u00e4ren unter dem Blickwinkel der vollst\u00e4ndigen Potenzialerschlie\u00dfung k\u00fcnftig in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe technologische Verbesserungen und vor allem erheblich gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Forschungsmittel von Bund und L\u00e4ndern in folgenden Bereichen notwendig:<\/p>\n<ul>\n<li>Entwicklung der Anlagen zur Nutzung von Stroh und Getreideganzpflanzen.<\/li>\n<li>Positive Effekte k\u00f6nnten zudem durch die Erweiterung der Nutzungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Biogas geschaffen werden, indem die Biogaseinspeisung in das Erdgasnetz erm\u00f6glicht und gesetzlich verankert wird.<\/li>\n<li>Die technischen Nutzungsm\u00f6glichkeiten fester Biomasse f\u00fcr den Kraftstoffsektor stehen erst am Anfang. Hier ist noch ein erhebliches Forschungspotenzial vorhanden. Unter dem Aspekt der gro\u00dfen Importabh\u00e4ngigkeit bei Mineral\u00f6l von ann\u00e4hernd 100% kann perspektivisch auch hier ein Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet werden.<\/li>\n<li>Im Hinblick auf den Energiepflanzenanbau lassen sich durch die Nutzung von Holz aus Kurzumtriebsplantagen besonders hohe Klimagasminderungen erzielen. Um diesen Nutzungspfad der Biomasse zu entwickeln, erscheint jedenfalls anf\u00e4nglich eine F\u00f6rderung f\u00fcr den Anbau auf Stilllegungsfl\u00e4chen der Landwirtschaft sinnvoll. Neue Anbausysteme und -kulturen k\u00f6nnen zudem zu einer Ertragserh\u00f6hung bei allen Biomassefraktionen beitragen und entsprechende Entwicklungen w\u00e4ren zu f\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Die energetische Nutzung von Biomasse kann einen wachsenden Beitrag zur Energieversorgung und Klimagasminderung leisten. Hierzu fehlen allerdings noch von allen beteiligten Wirtschaftskreisen der Energiewirtschaft und der Fahrzeugindustrie geeignete und system\u00fcbergreifende Konzepte zur Integration in ein zukunftsf\u00e4higes Energiesystem.<\/li>\n<li>Erforderlich sind politische Rahmenbedingungen, die die erforderliche Investitionssicherheit schaffen. Deutschland hat mit seinem Mix aus f\u00f6rderpolitischen Instrumenten (EEG, Marktanreizprogramm und Biokraftstoffquotengesetz) zur F\u00f6rderung von Strom, W\u00e4rme und Kraftstoffen grunds\u00e4tzlich der energetischen Nutzung von Biomasse den Marktzugang erm\u00f6glicht. Diese international viel beachtete Entwicklung muss jetzt einm\u00fcnden in eine europ\u00e4ische Gesamtstrategie.<\/li>\n<li>Voraussetzung ist eine gemessen an den energieversorgungs- und umweltpolitischen Anspr\u00fcchen finanziell ausgestattet und strategisch ausgerichtete F\u00f6rderung der Biomasseforschung, beginnend \u00fcber die Pflanzenz\u00fcchtung, Anbaustrategien bis hin zu der Konversion f\u00fcr die unterschiedlichsten Anwendungen. Die Schwerpunktsetzung in der Forschung muss sich an dem kurz- bis mittelfristig Realisierbaren orientieren und gleichzeitig wichtige Optionen f\u00fcr die Biomassenutzung mitverfolgen und f\u00f6rdern. Dies trifft insbesondere f\u00fcr die Biokraftstoffe Biodiesel, Bioethanol und BTL zu. Hier liegt ein gro\u00dfes Potenzial in der Technologieentwicklung und f\u00fcr den Export, denn die Biomasse bleibt weltweit in vielen Regionen der wichtigste Energietr\u00e4ger.<\/li>\n<li>Im Bereich der Biokraftstoffe reicht die Inanspruchnahme der jetzt in Aussicht gestellten EU-Mittel des 7. Forschungsrahmenprogramms nicht aus. Die F&#038;E-F\u00f6rderung muss auch auf nationaler Ebene eine analoge finanzielle Unterst\u00fctzung erfahren, mit dem Ziel eine wissenschaftliche und unabh\u00e4ngige Begleitforschung zu schaffen. Der F&#038;E-Bedarf bei Pflanzen\u00f6lkraftstoffen und Bioethanol ist enorm, dies best\u00e4tigt die aktuelle Diskussion zur Abstimmung einer nationalen und europ\u00e4ischen Biokraftstoffstrategie.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Studie <b>&#8220;Schl\u00fcsseldaten Klimagasemissionen: Welchen Beitrag kann die Biomasse zum Klimaschutz leisten?&#8221;<\/b> steht <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070622-17\/0706-IE-Bericht_Klimagas.pdf\" >hier<\/a> (PDF-Dokument, 1,7 MB) zum Download bereit.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ufop-marktinformation-oelsaaten-und-biokraftstoffe-juni-2007\/\" >2007-06-22<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bbe-ufop-biokraftstoffe-sichern-mobilitaet-in-deutschland-und-europa\/\" >2006-11-30<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/auch-hhere-cosub2sub-minderungsziele-werden-komplett-durch-erneuerbare-energien-erreicht\/\" >2006-12-19<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Union zur F&ouml;rderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. 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