{"id":101407,"date":"2021-12-02T07:26:00","date_gmt":"2021-12-02T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=101407"},"modified":"2021-11-29T13:08:55","modified_gmt":"2021-11-29T12:08:55","slug":"man-kann-theoretisch-auf-fossile-grundstoffe-verzichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/man-kann-theoretisch-auf-fossile-grundstoffe-verzichten\/","title":{"rendered":"Man kann theoretisch auf fossile Grundstoffe verzichten"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-29-um-13.02.19.png\" alt=\"Peter von Hoffmann, General Manager Business Unit Engineering Plastics Applications bei Coperion\" class=\"wp-image-101420\" width=\"273\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-29-um-13.02.19.png 545w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-29-um-13.02.19-251x300.png 251w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-29-um-13.02.19-126x150.png 126w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/Bildschirmfoto-2021-11-29-um-13.02.19-226x270.png 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><figcaption>Peter von Hoffmann, General Manager Business Unit Engineering Plastics Applications bei Coperion<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr von Hoffmann, die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe ist ein erkl\u00e4rtes Ziel der EU. Ist sie aus wirtschaftlicher Sicht f\u00fcr einen Maschinenbauer wie Coperion eher eine Chance oder eine Herausforderung?<\/h3>\n\n\n\n<p>Sie ist ganz klar eine Chance f\u00fcr uns. Mit der Kreislaufwirtschaft steigt die Bedeutung des Recyclings. Als Hersteller von Extrudern sehen wir hier viele neue Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten. Wir haben in den letzten Jahren enorm in das Recycling-Gesch\u00e4ft investiert. Das hat sich bereits bezahlt gemacht. Wir verzeichnen einen stetig zunehmenden Auftragseingang in diesem Bereich. Seit f\u00fcnf Jahren haben wir schon ein eigenes Team, ein eigenes Produktmanagement, das sich mit diesem Thema befasst. Wir lernen immer dazu, denn Recycling ist nicht gleich Recycling. Man muss differenzieren. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe unterschiedlicher und auch neuer Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen Sie hierf\u00fcr ein Beispiel geben?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich nenne mal das mechanische Recyceln von Folien. Das ist anspruchsvoll, denn Folien, vor allem die in der Verpackungsindustrie verwendeten, bestehen aus mehreren Schichten unterschiedlicher Kunststoffe. Mit Hilfe dieser verschiedenen Schichten lassen sich Barriereeigenschaften verbessern und die Haltbarkeit von Lebensmitteln verl\u00e4ngern. Aus Recyclingsicht sind Folien aber problematisch, unter anderem weil die Kunststoffe unterschiedliche Schmelzpunkte haben. Es gibt ein Verfahren, bei dem der Randverschnitt der Folien gesammelt und aufbereitet wird und dann bei der Herstellung neuer Folien wieder in eine der Schichten eingebracht wird. Das ist ein mechanischer Weg, mit dem man auch ein High-Tech-Produkt wie eine Folie zumindest teilweise recyceln kann. Und es ist im Bereich des Post-Industrial-Waste ein Konzept, bei dem kein Abfall anf\u00e4llt und damit sozusagen eine Zero-Waste-L\u00f6sung. F\u00fcr erste Referenzanlagen in Deutschland haben wir schon die Extruder geliefert. Das Verfahren ist im Kommen, auch weil es einen energetischen Vorteil hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wird auch das chemische Recycling an Fahrt aufnehmen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Unbedingt. Die Idee ist, dass man jeden Kunststoff wieder in seine Urbestandteile zur\u00fcckbringen kann, indem man die Kohlenwasserstoffe pyrolytisch spaltet. Aus dieser Urform kann man dann wieder \u00fcber den Raffinerieprozess zur\u00fcck zum Kunststoff gehen. Das ist ein Trend, dem vor allem die gro\u00dfen Kunststoffhersteller folgen. Der Prozess ist auch dann interessant, wenn man kein sehr sortenreines Produkt recyceln will oder kann. Wenn man es schaffen w\u00fcrde, diesen Kreislauf zu hundert Prozent zu schlie\u00dfen, dann k\u00f6nnte man theoretisch auf fossile Grundstoffe v\u00f6llig verzichten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technisch ist das alles schon m\u00f6glich?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ja, es ist m\u00f6glich. Es gibt auch schon Referenzanlagen. Es gibt auch verschiedene Institute, die diese Technik optimieren. Wir haben daf\u00fcr auch schon Anlagen verkauft. Eine Gro\u00dfproduktionsanlage mit Doppelschneckenextrudern, die in diesem Anwendungsbereich bei gr\u00f6\u00dferen Durchs\u00e4tzen effizienter sind als andere Maschinen auf dem Markt, ist bereits in der Abwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mechanisches Recycling ist aufw\u00e4ndig und teuer. Chemisches Recycling ist noch teurer. Das Ganze lohnt sich nur bei hohen \u00d6lpreisen. Wer investiert in solche Anlagen, wenn nicht klar ist, ob man sie wirtschaftlich betreiben kann?<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kunststoffhersteller wollen zeigen, dass sie vorangehen und den Kreislaufanteil erh\u00f6hen. Deswegen investieren sie in chemisches Recycling, auch wenn es heute aus rein wirtschaftlicher Sicht unter Umst\u00e4nden noch keinen Sinn macht, schont es auf jeden Fall Ressourcen und reduziert den CO2-Fu\u00dfabdruck. Aber sie wollen auch vorbereitet sein, falls es k\u00fcnftig politische Vorgaben f\u00fcr einen h\u00f6heren Rezyklatanteil in Kunststoffprodukten geben sollte. Und daf\u00fcr spricht momentan einiges.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Noch treibt vor allem Europa die Kreislaufwirtschaft voran. Wird der Funke auf den Rest der Welt \u00fcberspringen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn die EU allein auf Kreislaufwirtschaft setzte, w\u00fcrde sie sich kaum durchsetzen. Mir macht Mut, dass die USA das Thema neuerdings aufgegriffen haben. Die Regierung Biden hat hier ganz klar einen Fokus gesetzt und wir stellen fest, dass Recycling in den USA immer wichtiger wird. Das war dort vor ein paar Jahren noch nicht so. Hinzu kommt, dass viele der Reaktorhersteller f\u00fcr das chemische Recycling in den USA angesiedelt sind. Auch viele der Pilotanlagen stehen dort. Die amerikanischen Unternehmen zusammen mit den europ\u00e4ischen Unternehmen, das gibt einen viel gr\u00f6\u00dferen Schwung. Auch in China nehmen die Ma\u00dfnahmen zum Umweltschutz stark zu. Wir sind absolut zuversichtlich, dass die Themen, die derzeit in Europa en vogue sind, sehr bald in Nordamerika und dann mehr und mehr auch in Asien ankommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr von Hoffmann, die Kreislaufwirtschaft f\u00fcr Kunststoffe ist ein erkl\u00e4rtes Ziel der EU. Ist sie aus wirtschaftlicher Sicht f\u00fcr einen Maschinenbauer wie Coperion eher eine Chance oder eine Herausforderung? Sie ist ganz klar eine Chance f\u00fcr uns. Mit der Kreislaufwirtschaft steigt die Bedeutung des Recyclings. Als Hersteller von Extrudern sehen wir hier viele neue Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten. 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