{"id":10113,"date":"2007-07-06T00:00:00","date_gmt":"2007-07-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070706-04n"},"modified":"2007-07-06T00:00:00","modified_gmt":"2007-07-05T22:00:00","slug":"eu-setzt-auf-biokraftstoffimporte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-setzt-auf-biokraftstoffimporte\/","title":{"rendered":"EU setzt auf Biokraftstoffimporte"},"content":{"rendered":"<p><b>Europa muss seine T\u00fcren f\u00fcr Importe von Biokraftstoffen aus Entwicklungsl\u00e4ndern \u00f6ffnen, um seine \u00d6labh\u00e4ngigkeit im Verkehrssektor und CO<sub>2<\/sub>-Emissionen reduzieren zu k\u00f6nnen. Dies erkl\u00e4rten die Staats- und Regierungschefs der EU w\u00e4hrend einer hochrangigen Konferenz zu Biokraftstoffen in Br\u00fcssel, an der auch der brasilianische Pr\u00e4sident Luis Inacio &#8216;Lula&#8217; da Silva teilnahm.<\/b><\/p>\n<p>Der EU-Kommissar f\u00fcr Handel, Peter Mandelson, warnte am 5. Juli 2007 w\u00e4hrend einer internationalen Konferenz, die von der Kommission organisiert wurde, dass Europa sein Ziel, den Anteil von Biokraftstoffen des gesamten Kraftstoffverbrauchs des Verkehrssektors auf 10% zu erh\u00f6hen, nicht erreichen werde, wenn es seine Importe aus L\u00e4ndern wie Brasilien nicht entscheidend erh\u00f6he.<\/p>\n<p>Der brasilianische Pr\u00e4sident Lula Da Silva nahm ebenfalls an der Konferenz teil, die kurz nach dem ersten EU-Brasilien-Gipfel, der am Vortag abgehalten wurde, stattfand.<\/p>\n<p>Mandelson sagte, Europa werde bereit sein, zu akzeptieren, dass man einen Gro\u00dfteil der Biokraftstoffressourcen importieren werde. Man solle nicht erw\u00e4gen, die Herstellung von Biokraftstoffen in der EU mit schlechten CO<sub>2<\/sub>-Werten durchzuf\u00fchren, wenn man billigere und sauberere Biokraftstoffe importieren k\u00f6nne. Nationalismus im Bereich der Ressourcen sei in anderen Energiebereichen nicht sonderlich dienlich, dies sei bei Biokraftstoffen nicht anders.<\/p>\n<p>Derzeit werden Biokraftstoffe wie Ethanol als landwirtschaftliche Produkte eingeordnet und erfahren einen relativ hohen Zollschutz in Europa, um die Entwicklung des Biokraftstoffmarktes zu unterst\u00fctzen und die europ\u00e4ischen Bauern vor der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Da nicht gen\u00fcgend Land in Europa zur Verf\u00fcgung stehe, um ausreichende Mengen an Kraftstoffen und Futtermittel herzustellen, werde die EU ihre T\u00fcren weiter f\u00fcr Importe aus Drittstaaten \u00f6ffnen m\u00fcssen. Diese Meinung vertraten mehrere Kommissare w\u00e4hrend der Konferenz. Laut der Kommission k\u00f6nne dies entweder durch ein multilaterales Abkommen bei der Welthandelsorganisation oder durch bilaterale Abkommen wie die neue strategische Partnerschaft, die am 4. Juli 2007 mit Brasilien ins Leben gerufen wurde, erzielt werden.<\/p>\n<p>Der Kommissionspr\u00e4sident Jos\u00e9 Manuel Barroso und der brasilianische Pr\u00e4sident Lula Da Silva betonten, dass eine weitere Markt\u00f6ffnung in Europa auch den Entwicklungsl\u00e4ndern Nutzen bringen werde, die derzeit der wichtigste Hersteller von Biokraftstoffen aus Pflanze wie Zuckerr\u00fcbe oder Mais sind.<\/p>\n<p>Dieser Schritt k\u00f6nnte jedoch von einigen EU-Mitgliedstaaten, wie beispielsweise Frankreich, abgelehnt werden, sich mit Nachdruck gegen Forderungen aus Entwicklungsl\u00e4ndern und aus den USA wehren. Nach deren Willen sollten die Agrarz\u00f6lle gek\u00fcrzt werden, um bei den Welthandelsgespr\u00e4chen der WTO eine Einigung zu erzielen.<\/p>\n<p><b>Positionen<\/b><br \/>Der <i>Handelskommissar Peter Mandelson<\/i> zeigte sich \u00fcberzeugt, dass Entwicklungsl\u00e4nder von der Expansion des Biokraftstoffbereichs gewinnen k\u00f6nnten. Viele Entwicklungsl\u00e4nder verf\u00fcgten \u00fcber freie Agrarkapazit\u00e4ten und einen besonderen Vergleichsvorteil bei der Produktion. Zudem zeichneten sie sich durch ein Klima- und L\u00e4nderprofil aus, das zu den energiereichen Biokraftstoffen passe. Nichtsdestotrotz betonte Mandelson, dass weltweit wie in Europa die Entwicklung eines solchen Marktes an die \u00f6kologische Realit\u00e4t angepasst werden m\u00fcsse. <\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er w\u00fcrden keine Pr\u00e4mie f\u00fcr Biokraftstoffe zahlen, wenn das Ethanol in ihrem Auto nicht nachhaltig produziert werde, indem man Felder nach den Ernten abbrenne oder dies zulasten der Regenw\u00e4lder geschehe. Man k\u00f6nne die Umstellung auf Biokraftstoffe nicht zu einer \u00f6kologisch nicht-nachhaltigen Flucht in die Entwicklungsl\u00e4nder werden lassen.<\/p>\n<p><i>Energiekommissar Andris Piebalgs<\/i> sagte, man k\u00f6nne, wenn man m\u00fcsse, das 10%-Ziel bis 2020 allein durch im Inland produzierte Biokraftstoffe decken, vor allem, indem man auf &#8220;R\u00fccklagen&#8221; bei den Agrarfl\u00e4chen zur\u00fcckgreife und den Anteil an bebaubaren Fl\u00e4chen, die in der EU ungenutzt bliebe, reduziere. Sogar wenn dieser Ansatz technisch m\u00f6glich sei, wolle man ihn nicht verfolgen. Die rein inl\u00e4ndische Gewinnung von Biokraftstoffen sei weder wahrscheinlich \u2013 angesichts der gegenw\u00e4rtigen Handelsregelungen und der steigenden Handelsliberalisierung, die man f\u00fcr die Zukunft erhoffe \u2013 noch w\u00fcnschenswert. Piebalgs res\u00fcmierte, dass man sicherstellen m\u00fcsse, dass die europ\u00e4ischen Standards f\u00fcr Biokraftstoffe keine unn\u00f6tigen Hindernisse sch\u00fcfen. <\/p>\n<p>Der <i>Kommissionspr\u00e4sident Jos\u00e9 Manuel Barroso<\/i> sagte, dass der neue Markt f\u00fcr Biokraftstoffe &#8220;nicht nur den Interessen der reichen Autobesitzer dienen sollten, sondern auch den Interessen der \u00e4rmere Nationen in der Welt.&#8221; Es sei wahr, dass eine Preissteigerung der Grundnahrungsmittel einen Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit der armen Staaten haben k\u00f6nne. Aber dies solle durch die Vorteile verbesserter Bedingungen im Agrarhandel ausgeglichen werden. Letzterer biete Entwicklungsl\u00e4ndern eine M\u00f6glichkeit, mehr zu produzieren.<\/p>\n<p>Der <i>schwedische Minister f\u00fcr Handel, Sten Tolgfors<\/i>, meinte, dass das brasilianische Ethanol noch immer mit Z\u00f6llen von bis zu 55% belegt sei, w\u00e4hrend die Z\u00f6lle auf Benzin nur 5% betr\u00f6gen. Er stellte die Frage, warum Europa das Ethanol viel teurer werden lasse als Benzin und forderte die v\u00f6llige Abschaffung der Z\u00f6lle auf Biokraftstoffe.<\/p>\n<p>Der <i>brasilianische Pr\u00e4sident Lula Da Silva<\/i> wies darauf hin, dass in seinem Land mehr als sechs Millionen Arbeitspl\u00e4tze durch die Entwicklung starker M\u00e4rkte f\u00fcr Biokraftstoffe geschaffen worden seien. Au\u00dferdem betonte er, dass es sich nicht um die Wahl zwischen Lebensmitteln und Energie handele. Der Anbau von Zuckerrohr habe die Lebensmittelproduktion in Brasilien weder gesch\u00e4digt noch reduziert. Stattdessen sei das Wachstum der Zuckerrohranbaus von einem Einkommenswachstum begleitet worden. Man k\u00f6nne diese Ergebnisse in vielen armen Entwicklungsl\u00e4ndern wiederholen, so Lula Da Silva.<\/p>\n<p>Er betonte jedoch, dass die reichen L\u00e4nder zuerst ihre Agrarsubventionen beenden und ihre Z\u00f6lle senken m\u00fcssten, um die Entwicklung von Biokraftstoffen f\u00fcr viele Entwicklungsl\u00e4nder n\u00fctzlich werden zu lassen. Die Forderung Lula Da Silvas &#8220;Man muss denen eine Chance geben, die im 20. Jahrhundert keine hatten&#8221; fand den Applaus der Anwesenden.  <\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Vertreter der Landwirtschaft wiesen jedoch die Idee zur\u00fcck, dass die EU sich den Importen g\u00fcnstiger Biokraftstoffe auf Grundlage \u00f6kologischer \u00dcberlegungen \u00f6ffnen m\u00fcsse. &#8220;Mandelson muss sich \u00fcber die Tatsachen bei Biokraftstoffen im Klaren sein. Aus Umweltschutzgr\u00fcnden zu Biokraftstoffimporten aus Niedrigkostenerzeugerl\u00e4ndern aufrufen kann man nur, wenn man die Augen vor den wirtschaftlichen Realit\u00e4ten in diesen L\u00e4ndern verschlie\u00dft,&#8221; sagte der <i>Generalsekret\u00e4r Pekka Pesonen von <a href=\"http:\/\/www.copa-cogeca.be\/\" >Copa-Cogeca<\/a><\/i>, welche die Interessen der europ\u00e4ischen Landwirte bei der EU vertritt. <\/p>\n<p>&#8220;Der internationale Kostenvorteil der brasilianischen Produktion beispielsweise basiert solide auf billigem Land, das Regenw\u00e4ldern und vormaligen Savannen abgerungen wurde, sowie auf der Ausbeutung der Arbeiter bis hin zu Sklaverei&#8221;, betonte Pesonen und f\u00fcgte hinzu: &#8220;Mandelson muss begreifen, dass es der Biokraftstoffpolitik auch darum geht, die Unabh\u00e4ngigkeit der EU im Energiebereich voranzutreiben. Niemand sagt, die EU solle sich von Importen abschotten. Wie Mandelson aber den Beitrag von der Hand zu weisen, den die europ\u00e4ischen Landwirte leisten k\u00f6nnen, um in nachhaltiger Weise dem Energiebedarf der EU zu decken, kann man etwa von einem brasilianischen Minister f\u00fcr Exporte erwarten, nicht aber vom Handelskommissar der EU.&#8221;<\/p>\n<p>Die <i>Umwelt-NGO <a href=\"http:\/\/www.foeeurope.org\/\" >Friends of the Earth Europe<\/a><\/i> teilte mit, dass die Zugest\u00e4ndnisse der EU, bis 2020 10% ihres Marktes f\u00fcr Verkehrskraftstoffe mit Biokraftstoffen zu ersetzen, &#8220;gef\u00e4hrlich&#8221; f\u00fcr die biologische Vielfalt in Entwicklungsl\u00e4ndern sei und forderte, dieses Vorhaben fallen zu lassen. Am Beispiel Indonesiens, dem weltweit gr\u00f6\u00dften Produzenten von Palm\u00f6l \u2013 ein Produkt, dass zur Herstellung von Biokraftstoffen genutzt wird \u2013 sagte Rully Syumanda, der Zust\u00e4ndige f\u00fcr Waldkampagnen bei Friends of Earth Indonesia, dass Europas wachsende Nachfrage an Palm\u00f6l zu \u00f6kologischen und sozialen Verheerungen in Indonesien f\u00fchre.<\/p>\n<p><b>Hintergrund<\/b><br \/>Als Teil der EU-Strategie zur Reduzierung der \u00d6labh\u00e4ngigkeit und zum Kampf gegen den Klimawandel haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU w\u00e4hrend des Gipfels im M\u00e4rz 2007 verpflichtet, mindestens 10% ihres Kraftstoffverbrauchs im Verkehrssektor mit Biokraftstoffen zu decken. <\/p>\n<p>Der Verkehr ist f\u00fcr etwa ein Drittel aller CO<sub>2<\/sub>-Emission in der EU verantwortlich; Stra\u00dfenfahrzeuge sind fast vollst\u00e4ndig von \u00d6l als prim\u00e4re Energiequelle abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die EU sieht Biokraftstoffe \u2013 die als kohlenstoffneutral erachtet werden \u2013 als die einzige umsetzbare umweltfreundliche Alternative zu \u00d6l, die derzeit zur Verf\u00fcgung steht. Eine Reihe von Zweifeln wurde jedoch laut, nachdem Studien zeigten, dass einige Biokraftstoffe mehr Treibhausgase erzeugen als konventionelle Kraftstoffe, wenn die gesamten Emissionen in Betracht gezogen werden, die w\u00e4hrend der Herstellung in den Bereichen Landwirtschaft, Verkehr und Verarbeitung entstehen.<\/p>\n<p>Weiterhin gibt es auf vielen Seiten Bedenken, dass eine gesteigerte Biokraftstoffproduktion zu einem Verlust der Biodiversit\u00e4t und zu Lebensmittelknappheit f\u00fchrt. Dies gilt besonders f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder, wenn man die gro\u00dfen Landmassen ber\u00fccksichtigt, die notwendig w\u00e4ren, um Benzin in entscheidendem Ma\u00dfe zu ersetzen.<\/p>\n<p>Diesen Beitrag und weiterf\u00fchrende Links finden sie <a href=\"http:\/\/www.euractiv.com\/de\/handel\/eu-will-bedarf-biokraftstoffen-importe-decken\/article-165296\" >hier<\/a> im EurActiv-Netzwerk.<\/p>\n<p>(Vgl. Nachricht vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nuernberger-erklaerung-ehrgeizige-ziele-zum-ausbau-nachwachsender-rohstoffe-festgelegt\/\" >2007-03-13<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/groessere-konkurrenz-am-eu-markt-fuer-bioethanol-erwartet\/\" >2007-02-21<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bbk-biokraftstoffe-sind-hoffnungstraeger-fuer-arme-laender\/\" >2007-03-05<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Europa muss seine T&uuml;ren f&uuml;r Importe von Biokraftstoffen aus Entwicklungsl&auml;ndern &ouml;ffnen, um seine &Ouml;labh&auml;ngigkeit im Verkehrssektor und CO<sub>2<\/sub>-Emissionen reduzieren zu k&ouml;nnen. 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