{"id":100573,"date":"2021-11-15T07:35:00","date_gmt":"2021-11-15T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=100573"},"modified":"2021-11-11T14:14:52","modified_gmt":"2021-11-11T13:14:52","slug":"nicht-zum-kiffen-wiederbelebung-des-hanfanbaus-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nicht-zum-kiffen-wiederbelebung-des-hanfanbaus-in-russland\/","title":{"rendered":"Nicht zum Kiffen: Wiederbelebung des Hanfanbaus in Russland"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Hanfprodukte sind auch in Russland in der urbanen Mittelschicht immer mehr ein Trend. Das f\u00fchrt dazu, dass der traditionell sehr starke Hanfanbau dort durch eine Gesetzesinitiative wiederbelebt wird &#8211; aber nicht f\u00fcr den Konsum von Cannabis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hanf als traditionell russisches Produkt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ende des 19. Jahrhunderts war der Anbau von Hanf ein Haupteinkommen der Bauern in mehreren russischen Regionen wie Kaluga oder Kursk. 40 Prozent der europ\u00e4ischen Hanfproduktion kamen damals aus dem Zarenreich. In der Sowjetunion wurde der Anbau, wie bei anderen Feldfr\u00fcchten auch, kollektiviert oder verstaatlicht. Das Land stieg durch eine fast industrialisierte Produktion auf zum weltweit bedeutendsten Hanfproduzenten mit &#8211; nach eigener Statistik &#8211; 80 Prozent der weltweiten Anbaufl\u00e4chen. Sogar spezielle Hanf-M\u00e4hdrescher wurden ausger\u00fcstet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bedeutende Stellung auf dem Weltmarkt hatte nicht nur mit einer Steigerung der Anbaufl\u00e4che in Russland zu tun. Eine Rolle spielte hier nat\u00fcrlich auch der beginnende Kampf gegen Cannabis als Rauschdroge in westlichen Industriestaaten, wodurch dort der Anbau fr\u00fch zur\u00fcck ging. Mit dem Ende der UdSSR brach auch die Hanfkultivierung in den Staatsfarmen zusammen. Im neuen Russland war die Kultivierung der Pflanze erst ab 2007 wieder erlaubt, aber nur unter strengen, b\u00fcrokratischen Auflagen und nat\u00fcrlich in der Rauschmittel-freien Industrievariante.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bedeutungsverlust im neuen Russland<\/h3>\n\n\n\n<p>Da die Beh\u00f6rden den Konsum von Hanfprodukten wie Marihuana verhindern wollen, nutzten sie zun\u00e4chst die Untiefen der B\u00fcrokratie, eine neue Ausbreitung der einst wichtigen Feldfrucht zu hemmen. In Russland gilt bei Drogenkonsum eine Nulltoleranz-Politik, die auch f\u00fcr Cannabis angewendet wird. Die Bewegung f\u00fcr die Legalisierung der Droge, in Deutschland ja sehr stark, ist hier kaum vorhanden. Breiter gesellschaftlich wird das Thema bisher nicht diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst eine Gesetzesinitiative f\u00fcr die medizinische Anwendung scheiterte 2019. Zu einer Wiederbelebung der verlorenen Tradition kam es deswegen zun\u00e4chst nur im sehr bescheidenen Umfang, 2018 waren 8.000 Hektar, was nicht einmal 10 % der Aussaatfl\u00e4che am Ende der Sowjetzeit entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das soll sich jetzt \u00e4ndern, denn die Nachfrage nach Hanfprodukten ganz abseits vom Drogenkonsum steigt und Russland besinnt sich auf seine traditionelle Stellung auf dem Markt zur\u00fcck. Das Ministerium f\u00fcr Industrie und Handel bereitet laut dem Medienportal RBK aktuell eine Gesetzes\u00e4nderung vor, die die Produktion von Hanf aus der Grauzone der Halblegalit\u00e4t herausholen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gesetz soll eine genaue Definition der industriellen Verwendung von technischem Hanf enthalten, der weniger als 0,1 Prozent des Suchtmittels THC enth\u00e4lt. Eine Aufgabe der Nulltoleranzpolitik beim Konsum von THC-haltigem Cannabis ist nicht geplant. Welche Sorten angebaut werden d\u00fcrfen bleibt ausdr\u00fccklich definiert. Zur F\u00f6rderung des Anbaus und Verbreitung der Verarbeitung wurde ein nationaler Fonds gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zahlreiche Anwendungsm\u00f6glichkeiten<\/h3>\n\n\n\n<p>Hanf kann f\u00fcr zahlreiche Dinge verwendet werden, die im Zuge des auch in Russlands Gro\u00dfst\u00e4dten stattfindenden Booms von Naturprodukten aktuell stark nachgefragt werden. Hierbei ist zu beachten, dass im Gegensatz zur mitteleurop\u00e4ischen Meinung die Mehrheit der russischen Bev\u00f6lkerung schon seit den 1960er-Jahren nicht mehr auf dem Land lebt. Im Gro\u00dfst\u00e4dten und Metropolen ist nach dem Millennium eine kaufkr\u00e4ftige, neue Mittelschicht entstanden, in der Hanf ebenso wie andere Bioprodukte ein positives Image eines nachhaltigen Naturerzeugnisses besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Verarbeitung zu S\u00fc\u00dfwaren oder Tees k\u00f6nnen auch traditionell Seile, Bekleidung, Vliesstoffe, Kosmetik oder \u00d6le aus Hanf hergestellt werden und finden innerrussisch Abnehmer. Ein Mischgewebe aus Baumwolle und Hanf namens Cottonin ist haltbarer als pure Baumwolle, knittert weniger und besitzt angesichts stark gestiegener Baumwollpreise auch wirtschaftliche Attraktivit\u00e4t. Wie RBK berichtet, wird aktuell die Unterw\u00e4sche der chinesischen Armee voll auf die Mischfaser umger\u00fcstet. Auch als Zusatzstoff f\u00fcr Kohlefaser im Automobilbau l\u00e4sst sich Hanf als Zusatzstoff einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inl\u00e4ndische Spezialisten stehen in den Startl\u00f6chern<\/h3>\n\n\n\n<p>Spezialisierte Produzenten wie die russische Firma Smart Hemp weiten aktuell ihre Anbaufl\u00e4chen in der Region Iwanowo aus und werden von den regionalen Beh\u00f6rden mit Steuererleichterungen unterst\u00fctzt. Eine Verarbeitungsfabrik ist 2021 im Entstehen. Laut der Fachzeitschrift <em>Textiles Eastern Europe<\/em> will das Unternehmen seine Produktion dann in einem zweiten Schritt auf elf russische Regionen ausweiten, um eine steigende Nachfrage zu befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen der gro\u00dfen Anbautradition bis in die 1980er-Jahre ist beim Hanfanbau in Zentralrussland noch viel Know-How vorhanden, das nicht allzu lange Zeit versch\u00fcttet wurde. Mit einem neuen Hanfboom ist im Land zu rechnen, in dem auch politisch eine Wiederbelebung alter Traditionen und die F\u00f6rderung der heimischen Landwirtschaft hoch im Kurs steht. Und da geh\u00f6rt Hanf in Russland auf jeden Fall dazu. Produzenten, die hier jetzt investieren k\u00f6nnen auf gute Gesch\u00e4fte hoffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hanfprodukte sind auch in Russland in der urbanen Mittelschicht immer mehr ein Trend. Das f\u00fchrt dazu, dass der traditionell sehr starke Hanfanbau dort durch eine Gesetzesinitiative wiederbelebt wird &#8211; aber nicht f\u00fcr den Konsum von Cannabis. Hanf als traditionell russisches Produkt Ende des 19. 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