{"id":100531,"date":"2021-11-23T07:12:00","date_gmt":"2021-11-23T06:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=100531"},"modified":"2021-11-17T11:52:28","modified_gmt":"2021-11-17T10:52:28","slug":"landwirtinnen-sehen-chancen-im-carbon-farming-mussen-sich-aber-am-markt-orientieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/landwirtinnen-sehen-chancen-im-carbon-farming-mussen-sich-aber-am-markt-orientieren\/","title":{"rendered":"Landwirt:innen sehen Chancen im Carbon Farming, m\u00fcssen sich aber am Markt orientieren"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Agrar-Interessenvertreter:innen sehen die Umstellung auf kohlenstoffarme Landwirtschaft in der EU positiv. F\u00fcr eine erfolgreiche Markteinf\u00fchrung m\u00fcssten aber noch Einzelheiten der finanziellen Anreize f\u00fcr Landwirt:innen festgelegt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00fcbergeordnete Ziel des \u201eCarbon Farming\u201c, der Kohlenstoffbindung durch die Landwirtschaft, ist die Reduzierung von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Praxis versuchen die Landwirt:innen durch den Einsatz verschiedener landwirtschaftlicher Methoden \u2013 von Fruchtfolge, Deckfr\u00fcchten und reduzierter Bodenbearbeitung bis hin zur pr\u00e4zisen Stickstoffausbringung \u2013 einen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat angek\u00fcndigt, dass sie bis Ende 2021 eine Initiative zur Kohlenstoffbewirtschaftung starten will. Ein bereits im Aktionsplan f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft angek\u00fcndigter Zertifizierungsmechanismus f\u00fcr die Kohlenstoffentfernung soll bis 2023 vorgelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Interessenvertreter:innen werden solche Praktiken in der europ\u00e4ischen Landwirtschaft bereits freiwillig eingesetzt. Es gebe einen \u201eunbestreitbaren Willen\u201c gibt, dies fortzusetzen, es m\u00fcsse aber sichergestellt werden, dass die praktische Umsetzung der Kohlenstoffbewirtschaftung nicht zu einer zus\u00e4tzlichen Belastung f\u00fcr die Landwirt:innen f\u00fchren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht von Pekka Pesonen, Generalsekret\u00e4r des EU-Agrarverbands Copa-Cogeca, m\u00fcssen Landwirt:innen f\u00fcr die zus\u00e4tzlichen Kosten, die ihnen entstehen, entsch\u00e4digt werden, wenn Carbon Farming allgemeing\u00fcltig angewendet werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Initiative zur Kohlenstoffbewirtschaftung und das Zertifizierungssystem f\u00fcr den Kohlenstoffabbau k\u00f6nnten eine zus\u00e4tzliche Einkommensquelle f\u00fcr Landwirt:innen werden, die sich f\u00fcr die Erreichung von Umweltzielen einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann jedoch leicht zu einer finanziellen und administrativen Belastung f\u00fcr sie werden, die ihre Kosten erh\u00f6ht, m\u00f6glicherweise ihre Produktivit\u00e4t verringert und ihr Einkommen senkt\u201c, sagte Pesonen gegen\u00fcber EURACTIV.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Belohnungen au\u00dferhalb der GAP<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Pesonen f\u00fcgte hinzu, Landwirt:innen sollten nicht durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) belohnt werden, da dies nur zu einer Umverteilung von Ressourcen f\u00fchre und die Tatsache ignoriere, dass Land- und Forstwirt.innen bereits einen erheblichen Beitrag zur Kohlenstoffbindung leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen betonte er, dass marktorientierte Kohlenstoffbewirtschaftungssysteme zum Klimaschutz beitragen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDazu geh\u00f6rt die Entwicklung eines Kohlenstoffmarktes f\u00fcr marktorientierte Kohlenstoffgutschriften, bei denen Land- und Forstwirt:innen f\u00fcr ihre \u00d6kosystemleistungen in \u00dcbereinstimmung mit den einschl\u00e4gigen IPPC-Leitlinien entlohnt werden\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcsse sichergestellt werden, dass Carbon Farming und Emissionsgutschriften nicht zu einem Standardmechanismus f\u00fcr gro\u00dfe und multinationale Unternehmen zum Ausgleich ihrer Emissionen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Industrie muss eigene Anstrengungen unternehmen, um die Emissionen zu verringern, und darf sich nicht ausschlie\u00dflich auf die Bem\u00fchungen der Landwirt:innen um die Kohlenstoffbindung verlassen\u201c, sagte er und f\u00fcgte hinzu, dass alle gesellschaftlichen Akteur:innen zusammen f\u00fcr eine bessere Zukunft arbeiten sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e9lia Nyssens, Landwirtschaftsexpertin beim Europ\u00e4ischen Umweltb\u00fcro (EEB), \u00e4u\u00dferte \u00e4hnliche Bedenken und sagte, dass die Kohlenstoffgutschriften der Landwirt:innen nicht von \u201eUnternehmen wie Shell oder Microsoft\u201c genutzt werden sollten, \u201eum ihre eigenen Namen auf dem R\u00fccken der Landwirt:innen gr\u00fcn zu waschen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nyssens sagte, auch die Haftung f\u00fcr Kohlenstoff bei extremen Naturereignissen sei unsicher.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn Landwirt:innen Kohlenstoff in ihren B\u00f6den binden und daf\u00fcr eine Kohlenstoffgutschrift erhalten und diese verkaufen, und es dann beispielsweise zu einer gro\u00dfen \u00dcberschwemmung oder einer gro\u00dfen D\u00fcrre kommt und ein Teil dieses Kohlenstoffs wieder in die Atmosph\u00e4re gelangt, wer ist dann verantwortlich?\u201c fragte sich Nyssens.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Expertin erkl\u00e4rte, dass Carbon Farming nichts Neues sei, da diese landwirtschaftlichen Praktiken von den Landwirt:innen schon immer angewandt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist einfach eine Art R\u00fcckkehr zu den guten Praktiken unserer Vorfahren, aber mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen dar\u00fcber, wie diese Praktiken den B\u00f6den zugute kommen\u201c, sagte sie gegen\u00fcber EURACTIV.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anreize aus \u00f6ffentlichen oder privaten Quellen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein:e EU-Beamte:r erkl\u00e4rte gegen\u00fcber EURACTIV, ein entscheidender Schritt f\u00fcr den Ausbau der Kohlenstoffbewirtschaftung bestehe darin, einen regulatorischen Zertifizierungsrahmen zu schaffen, der auf \u201erobusten Buchhaltungsregeln\u201c f\u00fcr einen hochwertigen, nachhaltigen Kohlenstoffabbau aus nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen, aber auch f\u00fcr \u201eindustrielle L\u00f6sungen\u201c basiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem\/der EU-Beamt:in zufolge werden Landbewirtschafter:innen durch Carbon Farming f\u00fcr ihre Bewirtschaftungspraktiken oder f\u00fcr die tats\u00e4chlich gebundene Kohlenstoffmenge belohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Einnahmen aus dem Carbon Farming werden zu einer zus\u00e4tzlichen Einkommensquelle, von der die Landbewirtschafter:innen zus\u00e4tzlich zu ihren traditionellen Produkten wie Nahrungsmitteln und Biomasse profitieren k\u00f6nnen\u201c, so der\/die Beamte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Landbewirtschafter:innen w\u00fcrden gleichzeitig in vielen F\u00e4llen von den Vorteilen einer h\u00f6heren Bodenqualit\u00e4t profitieren und h\u00e4tten eine bessere Produktionsleistung und eine h\u00f6here Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber dem Klimawandel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFinanzielle Anreize, die aus \u00f6ffentlichen oder privaten Quellen kommen k\u00f6nnen, werden die gro\u00df angelegte Entwicklung von Praktiken der Kohlenstofflandwirtschaft in den Mitgliedstaaten unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was tut die Industrie?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Privatsektor hat bereits Initiativen ergriffen, um die Kohlenstoffbewirtschaftung vor Ort zu testen. So hat beispielsweise der Agrar- und Lebensmittelriese Bayer im vergangenen Sommer sein eigenes \u201eKohlenstoffprogramm\u201c in Europa gestartet.<\/p>\n\n\n\n<p>27 Landwirt:innen aus sieben L\u00e4ndern in der EU und dar\u00fcber hinaus (Frankreich, Spanien, Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Vereinigtes K\u00f6nigreich und Ukraine) nehmen an einem dreij\u00e4hrigen Projekt unter der Leitung von Bayer teil. Das Projekt soll sich auf klimagerechte Anbaumethoden wie den Einsatz von Deckfr\u00fcchten und die Reduzierung der Bodenbearbeitung konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umsetzung der neuen Praktiken wird kontinuierlich \u00fcberwacht und verbessert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben des Unternehmens arbeiten Landwirt:innen, Expert:innen und Akteur:innen der Lebensmittelwertsch\u00f6pfungskette in einem Carbon Farming Lab zusammen, wo sie gemeinsam Aktivit\u00e4ten testen und Erkenntnisse gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es derzeit keinen Kohlenstoffmarkt gibt, auf dem Landwirt:innen Gutschriften verkaufen k\u00f6nnen, konzentrieren sich die Unternehmen vorerst auf die Zusammenarbeit mit Regierungen und anderen Unternehmen, um eine klimafreundliche Landwirtschaft voranzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn \u00dcbereinstimmung mit den Zielen des EU Green Deal haben wir das Bayer Carbon Program ins Leben gerufen, um aktiv zur Entwicklung von Carbon Farming Aktivit\u00e4ten in Europa beizutragen. Wir arbeiten mit dem \u00f6ffentlichen und privaten Sektor entlang der Wertsch\u00f6pfungskette zusammen, setzen auf Innovation und stellen die Landwirt:innen in den Mittelpunkt unserer Bem\u00fchungen\u201c, sagte Liam Condon, Leiter der Division Crop Science bei Bayer, gegen\u00fcber EURACTIV.<\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fcgte hinzu, dass diese Zusammenarbeit dazu beitragen werde, das europ\u00e4ische Lebensmittelsystem auf eine Weise zu dekarbonisieren, die den Landwirt:innen, der Umwelt und den Verbraucher:innen zugute kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Grundgedanke ist, Landwirt:innen f\u00fcr die Anwendung klimafreundlicher Anbaumethoden zu belohnen, wie beispielsweise die Verwendung von Deckfr\u00fcchten, die Reduzierung der Bodenbearbeitung, Fruchtfolgen und die pr\u00e4zise Stickstoffausbringung. Diese Ma\u00dfnahmen binden Kohlenstoff im Boden, verbessern die Bodengesundheit, die Widerstandsf\u00e4higkeit und die Produktivit\u00e4t und verringern die Emissionen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Agrar-Interessenvertreter:innen sehen die Umstellung auf kohlenstoffarme Landwirtschaft in der EU positiv. F\u00fcr eine erfolgreiche Markteinf\u00fchrung m\u00fcssten aber noch Einzelheiten der finanziellen Anreize f\u00fcr Landwirt:innen festgelegt werden.&nbsp; Das \u00fcbergeordnete Ziel des \u201eCarbon Farming\u201c, der Kohlenstoffbindung durch die Landwirtschaft, ist die Reduzierung von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosph\u00e4re. 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