{"id":10042,"date":"2007-05-23T00:00:00","date_gmt":"2007-05-22T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070523-04n"},"modified":"2007-05-23T00:00:00","modified_gmt":"2007-05-22T22:00:00","slug":"oekobilanz-biokraftstoffe-nicht-immer-umweltfreundlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oekobilanz-biokraftstoffe-nicht-immer-umweltfreundlich\/","title":{"rendered":"\u00d6kobilanz: Biokraftstoffe nicht immer umweltfreundlich"},"content":{"rendered":"<p><b>Biotreibstoffe sind nicht notwendigerweise umweltfreundlicher als fossile Treibstoffe. Dies zeigt eine neue Studie des schweizerischen Forschungsinstituts <a href=\"http:\/\/www.empa.ch\/\" >Empa<\/a>, die im Auftrag der Bundes\u00e4mter f\u00fcr Energie (<a href=\"http:\/\/www.bfe.admin.ch\/\" >BFE<\/a>), f\u00fcr Umwelt (<a href=\"http:\/\/www.bafu.admin.ch\/\" >BAFU<\/a>) und f\u00fcr Landwirtschaft (<a href=\"http:\/\/www.blw.admin.ch\/\" >BLW<\/a>) die \u00d6kobilanzen verschiedener Biotreibstoffe untersucht hat.<\/b><\/p>\n<p>Zwar verursachen einige Biotreibstoffe mehr als ein Drittel weniger Treibhausgase als Benzin oder Diesel. Bei Anbau und Verarbeitung der Rohstoffe wie Mais oder Soja fallen jedoch andere \u2013 teils schwererwiegende \u2013 Umweltbelastungen an, welche die \u00f6kologische Gesamtbilanz deutlich verschlechtern. Biotreibstoff ist also nicht gleich Biotreibstoff, und diesen Unterschied gilt es auch bei den derzeit diskutierten F\u00f6rderma\u00dfnahmen f\u00fcr Biotreibstoffe zu ber\u00fccksichtigen. Zudem zeigt die Studie, dass die Menge der einheimischen Bioenergie begrenzt ist.<\/p>\n<p>&#8220;Die energetische Effizienz und die dadurch erzielte Treibhausgasreduktion k\u00f6nnen nicht die alleinigen Kriterien f\u00fcr eine \u00f6kologische Gesamtbewertung von Biotreibstoffen sein&#8221;, sagt Empa-Wissenschaftler Rainer Zah, der mit seinem Team verschiedene alternative Treibstoffe \u2013 Bioethanol, Biomethanol, Biodiesel und Biomethan \u2013 vom Anbau der Rohstoffe \u00fcber die eigentliche Herstellung der Biotreibstoffe bis zu ihrer Nutzung \u00f6kologisch bewertet hat. Zwar k\u00f6nnen mit einer ganzen Reihe von Biotreibstoffen die Treibhausgase um mehr als 30 Prozent gesenkt werden.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite treten jedoch bei deren Anbau und Verarbeitung teilweise andere gravierende Umweltbelastungen auf. Diese reichen von \u00dcberd\u00fcngung und Versauerung des landwirtschaftlich genutzten Bodens bis hin zum Verlust der Artenvielfalt, etwa durch Rodung von tropischem Regenwald. Die landwirtschaftliche Energieproduktion steht zudem in Konkurrenz mit anderen Formen der Landnutzung wie der Nahrungsmittelproduktion oder dem Erhalt nat\u00fcrlicher Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p><b>Transport hat nur geringen Einfluss auf die Umweltbelastung<\/b><br \/>Fazit der am 22. Mai 2007 durch die Bundes\u00e4mter f\u00fcr Energie, f\u00fcr Umwelt und f\u00fcr Landwirtschaft vorgestellten Empa-Studie: Biotreibstoff ist nicht gleich Biotreibstoff, und obwohl grunds\u00e4tzlich jeder der vier untersuchten Treibstoffe umweltfreundlich produziert werden kann, entscheiden Rohstoff sowie Herstellungsart dar\u00fcber, welcher Alternativtreibstoff gesamt\u00f6kologisch besser abschneidet als Benzin und Diesel. Der Transport, auch von ausl\u00e4ndischen Biotreibstoffen in die Schweiz, hat dagegen nur geringen Einfluss auf die \u00d6kobilanz. Eine staatliche F\u00f6rderung von Biotreibstoffen, beispielsweise durch steuerliche Beg\u00fcnstigung gegen\u00fcber Diesel und Benzin, muss deshalb differenziert erfolgen. &#8220;Die Vorsilbe <i>Bio<\/i> hei\u00dft nicht in jedem Fall auch umweltfreundlich,&#8221; so Zah.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070523-04\/0705-empa-studie-grafik.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"0705-empa-studie-grafik.jpg\"\/><br \/><i>Die Grafik zeigt die gesamte Umweltbelastung (senkrecht) sowie die Treibhausgasemissionen (waagrecht) der untersuchten Biotreibstoffe in Prozenten gegen\u00fcber Benzin. Die Treibstoffe innerhalb der gr\u00fcnen Fl\u00e4che schneiden sowohl bei den Treibhausgasen als auch bei der gesamten Umweltbelastung besser ab als Benzin. (UBP 06: Eine in der Schweiz entwickelte Methode, die die totale Umweltbelastung aus der Differenz der Emissionswerte zu den gesetzlichen Vorschriften sch\u00e4tzt.)<\/i><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Zu einem \u00e4hnlichen Schluss kommt auch der j\u00fcngste Bericht der Vereinten Nationen (<a href=\"http:\/\/www.un.org\/\" >UN<\/a>) \u00fcber nachhaltige Bioenergie (vgl. Nachricht vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/uno-bericht-bioenergie-nachhaltig-nutzen\/\" >2007-05-14<\/a>). Die Gruppe UN-Energie \u2013 ein Zusammenschluss aller Programme und Organisationen der UN, die sich mit dem Thema Energie besch\u00e4ftigen \u2013 unterstreicht in ihrer Studie ausdr\u00fccklich, dass die Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft sorgf\u00e4ltig analysiert werden m\u00fcssen, bevor politische Entscheidungen \u00fcber einen m\u00f6glichen Ausbau und F\u00f6rderung bestimmter Technologien im Bereich Bioenergie getroffen werden.<\/p>\n<p><b>Umweltbelastung durch Anbau der Bioenergie-Rohstoffe<\/b><br \/>In der \u00d6kobilanz negativ zu Buche schlagen bei Biotreibstoffen vor allem die Umweltbelastungen durch den landwirtschaftlichen Anbau der Rohstoffe. In tropischen L\u00e4ndern f\u00fchrt beispielsweise die Brandrodung von Regenwaldfl\u00e4chen zu gro\u00dfen Mengen an CO<sub>2<\/sub>, zu einer erh\u00f6hten Luftverschmutzung durch Ru\u00df und andere gesundheitssch\u00e4dliche Abgase wie Stickoxide, Aerosole oder Dioxine und zu einem Verlust an Biodiversit\u00e4t. Beim Anbau in gem\u00e4\u00dfigten Klimazonen wiederum wirken sich die teils intensive D\u00fcngung und die mechanische Bearbeitung des Bodens negativ auf die Umwelt aus. Die extrem hohe Umweltbelastung durch in Europa produziertes Ethanol aus Roggen \u2013 das von allen untersuchten Biotreibstoffen die mit Abstand schlechteste \u00d6kobilanz aufweist \u2013 erkl\u00e4rt sich dagegen durch den niedrigen Ernteertrag.<\/p>\n<p><b>Gute Resultate f\u00fcr Abfall, Reststoffe und Holz<\/b><br \/>Hinsichtlich \u00d6kobilanz schneidet gem\u00e4\u00df der Studie die energetische Nutzung von Abfall- und Reststoffen gegen\u00fcber fossilen Treibstoffen am besten ab. Dabei fallen einerseits die hohen Umweltbelastungen aus der Rohstoff-Bereitstellung weg, andererseits verringern sich die Schadstoffemissionen aus der Abfallbeseitigung. Ebenfalls gute Ergebnisse zeigt die energetische Nutzung von Holz \u2013 etwa dessen Vergasung \u2013, da hier die Umweltauswirkungen bei der Bereitstellung des Rohstoffes sehr gering sind.<\/p>\n<p>Zudem lie\u00dfen sich die Umweltbelastungen aller untersuchten Biotreibstoffe \u2013 im Gegensatz zu den fossilen Energietr\u00e4gern \u2013 durch gezielte Ma\u00dfnahmen deutlich verringern. So k\u00f6nnten etwa strenge Zertifizierungsrichtlinien f\u00fcr Biotreibstoffe das Problem der Brandrodung von Regenwald mindern. Die Wissenschaftler der Empa erwarten daher in Zukunft bessere Bewertungen einzelner Biotreibstoffe dank der Optimierung bestehender sowie der Entwicklung neuer Herstellungsverfahren. Grundlage der Empa-Studie waren Daten aus <a href=\"http:\/\/www.ecoinvent.org\/de\/\" >ecoinvent<\/a>, einer weltweit einzigartigen wissenschaftlichen Datenbank f\u00fcr \u00d6kobilanz-Basisdaten, die von Empa-Forschern erstellt und betreut wird.<\/p>\n<p><b>Einheimische Bioenergie ist nur begrenzt verf\u00fcgbar<\/b><br \/>Die Studie der Empa legt au\u00dferdem dar, dass die Menge der einheimischen Bioenergie begrenzt ist. Wenn die verf\u00fcgbare Biomasse jedoch effizient und umweltfreundlich in Energie umgewandelt und gleichzeitig die Energieeffizienz erh\u00f6ht wird, k\u00f6nnten alternative Energietr\u00e4ger zusammen mit anderen erneuerbaren Energieformen eine wichtige Rolle in unserer zuk\u00fcnftigen Energieversorgung \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Der Schlussbericht &#8220;\u00d6kobilanz von Energieprodukten: \u00d6kologische Bewertung von Biotreibstoffen&#8221; steht <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070523-04\/0705-empa-Studie_Bericht.pdf\" >hier<\/a> (PDF-Dokument, 2,0 MB) zum Herunterladen bereit.<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Dr. Rainer Zah <br \/>Empa, Technologie &#038; Gesellschaft<br \/>Tel. +41-71-274 78 49<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:rainer.zah@empa.ch\">rainer.zah@empa.ch<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Nachrichten vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bessere-oekobilanzen-sprechen-fuer-biotreibstoffe\/\" >2007-05-04<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wwf-studie-das-fuer-und-wider-des-palmoels\/\" >2007-04-23<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fnr-wie-oekologisch-sind-btl-kraftstoffe\/\" >2006-12-20<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biotreibstoffe sind nicht notwendigerweise umweltfreundlicher als fossile Treibstoffe. 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