{"id":100386,"date":"2021-11-11T07:37:00","date_gmt":"2021-11-11T06:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=100386"},"modified":"2021-11-09T16:30:00","modified_gmt":"2021-11-09T15:30:00","slug":"technische-machbarkeit-der-produktion-nachhaltiger-treibstoffe-nachgewiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/technische-machbarkeit-der-produktion-nachhaltiger-treibstoffe-nachgewiesen\/","title":{"rendered":"Technische Machbarkeit der Produktion nachhaltiger Treibstoffe nachgewiesen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p><strong>Forscher der ETH Z\u00fcrich haben die Verfahrenstechnik entwickelt, mit der sie aus Sonnenlicht und Luft CO2-\u200bneutrale Treibstoffe herstellen k\u00f6nnen. Nun weisen sie in einer <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41586-021-04174-y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Nature<\/em>-\u200bPublikation<\/a> den stabilen und zuverl\u00e4ssigen Betrieb der Mini-\u200bSolarraffinerie unter realen Sonnenbedingungen nach. Und sie zeigen einen Weg auf, wie sich nachhaltiger Treibstoff ohne zus\u00e4tzliche CO2-\u200bSteuern im Markt einf\u00fchren l\u00e4sst.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"465\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804.jpg\" alt=\"Die Mini-\u200bSolarraffinerie an der ETH Z\u00fcrich hat sich in zwei Jahren Testbetrieb bew\u00e4hrt. (Bild: Alessandro Della Bella \/ ETH Z\u00fcrich)\" class=\"wp-image-100401\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804.jpg 930w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804-300x150.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804-150x75.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804-768x384.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.636523804-400x200.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit zwei Jahren betreiben Forschende um Aldo Steinfeld, Professor f\u00fcr Erneuerbare Energietr\u00e4ger der ETH Z\u00fcrich, auf dem Dach des Maschinenlaboratoriums mitten in Z\u00fcrich eine Mini-\u200bSolarraffinerie. Diese einzigartige Anlage kann in einem mehrstufigen Verfahren aus Sonnenlicht und Luft fl\u00fcssige Treibstoffe wie Methanol oder Kerosin herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview erkl\u00e4ren Projektarchitekt Steinfeld und Studienmitautor Anthony Patt, Professor am Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH, was die Experimente ergeben haben, wo Optimierungsbedarf besteht und wie dem solaren Kerosin der Markteintritt gelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Mini-\u200bSolarraffinerie ist seit zwei Jahren in Betrieb. Wie f\u00e4llt Ihre Bilanz aus?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Wir konnten die technische Machbarkeit der gesamten thermochemischen Prozesskette zur Umwandlung von Sonnenlicht und Umgebungsluft in Drop-\u200bin-Treibstoffe erfolgreich nachweisen. Das Gesamtsystem arbeitet unter realen Sonneneinstrahlungsbedingungen stabil und dient uns als einzigartige Plattform f\u00fcr weitere Forschung und Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was verstehen Sie unter Drop-\u200bin-Treibstoffen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Drop-\u200bin-Treibstoffe sind synthetische Alternativen f\u00fcr die aus Erd\u00f6l gewonnenen fl\u00fcssigen Kohlenwasserstoffe wie Kerosin und Benzin. Diese synthetischen Treibstoffe sind vollst\u00e4ndig kompatibel mit den bestehenden Infrastrukturen f\u00fcr die Lagerung, Verteilung und Endanwendung, und k\u00f6nnen insbesondere zu einem nachhaltigen Langstreckenflugverkehr beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sind diese synthetischen Treibstoffe CO2-\u200bneutral?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Ja, sie sind CO2-\u200bneutral, weil zu ihrer Herstellung Sonnenenergie verwendet wird und weil bei ihrer Verbrennung nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie zuvor zu ihrer Herstellung aus der Luft entnommen wurde. Die \u00d6kobilanz der Produktionskette von solaren Treibstoffen zeigt, dass die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Kerosin zu 80 Prozent vermieden werden k\u00f6nnen und dass sie gegen Null gehen, wenn die Materialien f\u00fcr den Bau der Produktionsanlagen wie Glas und Stahl mit erneuerbaren Energien hergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Raffinerie, die Treibstoffe aus Sonnenlicht und Luft herstellt &#8211; das klingt nach Science-\u200bFiction. Wie funktioniert sie?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Das ist keine Science-\u200bFiction. Die Technologie basiert auf reiner Thermodynamik. Sie besteht aus drei in Reihe geschalteten thermochemischen Umwandlungseinheiten. Erstens: die Luftabscheidungseinheit, die Kohlendioxid und Wasser direkt aus der Umgebungsluft extrahiert. Zweitens: die solare Redox-\u200bEinheit, die CO2 und H2O in ein spezifisches Gemisch aus CO und H2, Syngas genannt, umwandelt. Und Drittens: die Gas-\u200bto-Liquid Syntheseeinheit, die schliesslich das Syngas in fl\u00fcssige Kohlenwasserstoffe umwandelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"BorlabsCookie _brlbs-cb-youtube\"><div class=\"_brlbs-content-blocker\"> <div class=\"_brlbs-embed _brlbs-video-youtube\"> <img decoding=\"async\" class=\"_brlbs-thumbnail\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/plugins\/borlabs-cookie\/assets\/images\/cb-no-thumbnail.png\" alt=\"YouTube\"> <div class=\"_brlbs-caption\"> <p>By loading the video, you agree to YouTube&#8217;s privacy policy.<br><a href=\"https:\/\/policies.google.com\/privacy?hl=en&amp;gl=en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Learn more<\/a><\/p> <p><a class=\"_brlbs-btn _brlbs-icon-play-white\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Load video<\/a><\/p> <p><label><input type=\"checkbox\" name=\"unblockAll\" value=\"1\" checked> <small>Always unblock YouTube<\/small><\/label><\/p> <\/div> <\/div> <\/div><div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"youtube\"><script type=\"text\/template\">PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iU29sYXIgbWluaS1yZWZpbmVyeSIgd2lkdGg9IjUwMCIgaGVpZ2h0PSIyODEiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvUkZIcERHWDFvd3M\/ZmVhdHVyZT1vZW1iZWQiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGNsaXBib2FyZC13cml0ZTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhOyBneXJvc2NvcGU7IHBpY3R1cmUtaW4tcGljdHVyZTsgd2ViLXNoYXJlIiByZWZlcnJlcnBvbGljeT0ic3RyaWN0LW9yaWdpbi13aGVuLWNyb3NzLW9yaWdpbiIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPg==<\/script><\/div><\/div>\n<\/div><figcaption>Animation, welche die gesamte Prozesskette erkl\u00e4rt. (Video: ETH Z\u00fcrich)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie war die Ausbeute an Syngas respektive Methanol \u00fcber die beiden Betriebsjahre betrachtet?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Unsere Mini-\u200bSolarraffinerie ist eine Anlage f\u00fcr Forschungszwecke; sie produzierte dementsprechend nur kleine Treibstoffmengen. Dies haben wir jedoch unter realen Feldbedingungen &#8211; mit der nicht optimalen Sonneneinstrahlung von Z\u00fcrich &#8211; geschafft. In einem repr\u00e4sentativen Tagesbetrieb betr\u00e4gt die produzierte Menge an Syngas etwa 100 Standardliter, die zu etwa einem halben Deziliter reinem Methanol verarbeitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was lief gut, was lief nicht optimal?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Aussergew\u00f6hnlich gut war, dass wir eine vollst\u00e4ndige Selektivit\u00e4t erreicht haben. Das heisst, dass wir keine unerw\u00fcnschten Nebenprodukte bei der Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff und bei der Spaltung von Kohlendioxid in Kohlenmonoxid und Sauerstoff erhalten haben. Ausserdem &#8211; und das ist f\u00fcr die Prozessintegration entscheidend &#8211; konnten wir die Zusammensetzung des Syngas entweder auf die Methanol-\u200b oder die Kerosin-\u200bSynthese abstimmen. Die Energieeffizienz ist jedoch noch zu gering. Bislang liegt der h\u00f6chste von uns gemessene Wirkungsgrad des Solarreaktors bei 5,6 Prozent. Dieser Wert ist zwar ein Weltrekord f\u00fcr die solare thermochemische Spaltung, ist aber nicht gut genug. Es sind noch erhebliche Prozessoptimierungen erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Optimierungen sind besonders wichtig?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Die W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung zwischen den Reaktionsschritten des thermochemischen Zyklus ist wesentlich, da sie den Wirkungsgrad des Solarreaktors auf \u00fcber 20 Prozent erh\u00f6hen kann. Ausserdem kann die Struktur des Redox-\u200bMaterials optimiert werden, zum Beispiel durch 3D-\u200bgedruckte hierarchisch geordnete Strukturen, die den W\u00e4rme-\u200b und Stofftransport verbessern. Wir unternehmen grosse Anstrengungen in beide Richtungen, und ich bin optimistisch, dass wir bald einen neuen Rekordwert bei der Energieeffizienz erzielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr den chemischen Prozess m\u00fcssen zun\u00e4chst CO2 und H2O aus der Luft extrahiert und in das System eingespeist werden. Wie viel Energie muss daf\u00fcr aufgewendet werden?<\/h3>\n\n\n\n<p>Der spezifische Energiebedarf pro Mol abgetrenntem CO2 liegt bei etwa 15 Kilojoule mechanischer Arbeit f\u00fcr die Vakuumpumpe und 500 bis 600 Kilojoule W\u00e4rme bei 95\u00b0C, je nach relativer Luftfeuchtigkeit. Allerdings k\u00f6nnen wir die Abfallabw\u00e4rme des Solarreaktors nutzen, um die Extraktion anzutreiben. Der gr\u00f6sste Teil der Hochtemperatur-\u200bProzessw\u00e4rme wird jedoch f\u00fcr die Aufspaltung von Wasser und CO2 ben\u00f6tigt und durch konzentrierte Sonnenenergie bereitgestellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">L\u00e4sst sich diese Technologie im industriellen Massstab umsetzen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Auf jeden Fall. F\u00fcr die Skalierung kann ein Heliostatenfeld, das auf einen Solarturm fokussiert ist, verwendet werden. Die derzeitige Mini-\u200bSolarraffinerie verwendet einen 5-\u200bKilowatt-Solarreaktor. Bereits wurde eine zehnmal gr\u00f6ssere Anlage in einem Solarturm getestet. F\u00fcr ein 1-\u200bMegawatt-Solarreaktormodul ist noch eine 20-\u200bfache Skalierung erforderlich. Der Solarturm in industriellem Massstab sieht eine Reihe von Solarreaktormodulen vor und kann vor allem die bereits f\u00fcr kommerzielle solarthermische Kraftwerke etablierte Infrastruktur zur Solarkonzentration nutzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Werden Sie und Ihre Gruppe sich darum k\u00fcmmern?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Nein, das ist Sache unserer Industriepartner. Wir an der ETH konzentrieren uns auf die grundlegenden Aspekte der Technologie. Aber wir k\u00fcmmern uns auch um den Technologietransfer in die Industrie, zum Beispiel durch die Lizenzierung von Patenten. Aus meiner Gruppe sind bereits zwei Spin-\u200boffs hervorgegangen, die von ehemaligen Doktoranden gegr\u00fcndet wurden: Climeworks vermarktet die Technologie zur CO2-\u200bAbscheidung aus der Luft, w\u00e4hrend Synhelion die Technologie zur Herstellung von Solartreibstoff aus CO2 vermarktet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anthony Patt, Sie haben als Mitautor der Nature-\u200bStudie untersucht, wie der Markteintritt von solarem Kraftstoff gestaltet werden m\u00fcsste. Was w\u00e4re eine effektive politische Massnahme, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Tony Patt: Unsere Analyse der politischen Massnahmen zeigt, dass die F\u00f6rdermassnahmen \u00e4hnlich sein sollten wie bei der Wind-\u200b und Solarenergie. Als Regierungen damit begannen, diese Energien zu f\u00f6rdern, war Strom aus Wind-\u200b und Sonnenenergie zehn Mal teurer als Elektrizit\u00e4t, die mit fossilen Energien erzeugt wurden. Das heutige Preisverh\u00e4ltnis von solarem Kerosin zu fossilem ist \u00e4hnlich. Der Vergleich mit anderen erneuerbaren Energietechnologien zeigt, dass mit den richtigen F\u00f6rdermassnahmen der Preis des Kerosins, das mittels der Solarraffinerie erzeugt wird, in wenigen Jahren auf den heutigen Stand von fossilem Flugbenzin sinkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welches Hindernis stellt sich dem in den Weg?<\/h3>\n\n\n\n<p>Tony Patt: Am schwierigsten ist es, die anf\u00e4nglich hohe Preisbarriere zu \u00fcberwinden. Mit CO2-\u200bSteuern schafft man das nicht. Wenn man fossiles Flugbenzin mit einer Steuer belegt, damit dieses so teuer wird wie solares Flugbenzin, w\u00fcrde fossiles Kerosin zun\u00e4chst zehnmal teurer. Niemand w\u00e4re bereit, diesen Preis zu bezahlen. Und Politiker sind nicht gewillt, solch hohe Steuern einzuf\u00fchren. Bei der F\u00f6rderung von Solar-\u200b und Windenergie haben aber Instrumente gut funktioniert, die nur mit einem sehr kleinen Preisaufschlag auf den fossilen marktbeherrschenden Treibstoffen auskommen. Man muss dann den Preis f\u00fcr fossile Brennstoffe nur leicht anheben, um aufgrund der Marktmacht der fossilen Energietr\u00e4ger gen\u00fcgend Mittel zu generieren, um erneuerbare Treibstoffe zu f\u00f6rdern. Einen solchen Preismechanismus brauchen wir, um dem Solarreaktor und dem damit erzeugten solaren Flugbenzin zum Durchbruch zu verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welches Instrument ist Ihrer Meinung das Wirkungsvollste, um solarem Kraftstoff zum Durchbruch zu verhelfen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Tony Patt: Am besten geeignet ist ein Quotensystem. Das funktioniert so: Fluglinien und Flugh\u00e4fen werden dazu verpflichtet, jedem getankten Liter Kerosin einen vorgeschriebenen Mindestanteil an solarem Flugbenzin hinzuzuf\u00fcgen. Dieser Anteil liegt zu Beginn beispielsweise bei ein bis zwei Prozent. Das verteuert zwar das Kerosin insgesamt, der Preisaufschlag w\u00e4re jedoch bescheiden und d\u00fcrfte umgerechnet auf ein Flugticket f\u00fcr innereurop\u00e4ische Fl\u00fcge bei wenigen Franken liegen. Die Quote wird dann allj\u00e4hrlich erh\u00f6ht, bis nach einer gewissen Zeit 100 Prozent erreicht sind, dass also nur noch solares Kerosin getankt wird. Die sukzessive Erh\u00f6hung der Quote f\u00fchrt dazu, dass der Preis f\u00fcr solares Kerosin drastisch sinkt &#8211; so wie wir das bei Wind-\u200b und Solarenergie beobachtet haben. Bereits bei einem Anteil von 10 bis 15 Prozent wird gem\u00e4ss unseren Berechnungen solares Flugbenzin gleich viel kosten wie fossiles Kerosin. Das ist politisch realistisch und einfacher umsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wo werden grosse Anlagen sinnvollerweise errichtet?<\/h3>\n\n\n\n<p>Tony Patt: Der Solarreaktor braucht direktes Sonnenlicht. Deshalb ist es nur sinnvoll, Grossanlagen in W\u00fcstengegenden zu bauen, beispielsweise in S\u00fcdspanien und Nordafrika, auf der arabischen Halbinsel, in Australien, im S\u00fcdwesten der USA, in der W\u00fcste Gobi in China oder in der Atacama-\u200bW\u00fcste von Chile. Die solare Prozesskette braucht als Ausgangsmaterial Wasser aus der Luft, und dieses ist selbst in der trockenen W\u00fcstenluft in ausreichenden Mengen vorhanden. Zudem ist W\u00fcstenland g\u00fcnstig und es bestehen in der Regel keine anderen Nutzungsanspr\u00fcche wie in dicht besiedelten Gegenden. Solartreibstoffe w\u00e4ren wie heutige fossile Treibstoffe globale Rohstoffe, die auf die gleiche Infrastruktur f\u00fcr Transport und Lieferung angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aldo Steinfeld: Geeignete Standorte sind Regionen, in welcher die j\u00e4hrliche direkte normale Sonneneinstrahlung mehr als 2000 kWh pro Quadratmeter pro Jahr betr\u00e4gt. Im Gegensatz zu Biotreibstoffen, die durch die Ressourcenbereitstellung begrenzt sind, kann der weltweite Bedarf an solaren Flugzeugtreibstoffen durch die Nutzung von weniger als ein Prozent der weltweiten Trockenfl\u00e4chen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen, gedeckt werden. Zum Vergleich: 2019 lag der weltweite Kerosinverbrauch in der Luftfahrt bei 414 Milliarden Litern. Die Gesamtfl\u00e4che aller Solaranlagen, die erforderlich w\u00e4re, um den weltweiten Bedarf vollst\u00e4ndig zu decken, w\u00fcrde etwa 45\u2019000 km2 betragen, was 0,5 Prozent der Fl\u00e4che der Sahara entspricht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"523\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531.jpg\" alt=\"Der der Sonne nachgef\u00fchrte Parabolreflektor liefert konzentriertes Sonnenlicht an einen Solarreaktor (\u00fcber den Sekund\u00e4rreflektor gesehen), der aus der Luft extrahiertes CO2 und Wasser in ein Synthesegasgemisch umwandelt, das wiederum zu Drop-\u200bin-Treibstoffen wie Kerosin verarbeitet wird (Bild: ETH Z\u00fcrich)\" class=\"wp-image-100399\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531.jpg 930w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/image.imageformat.fullwidth.11881531-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><figcaption>Der der Sonne nachgef\u00fchrte Parabolreflektor liefert konzentriertes Sonnenlicht an einen Solarreaktor (\u00fcber den Sekund\u00e4rreflektor gesehen), der aus der Luft extrahiertes CO2 und Wasser in ein Synthesegasgemisch umwandelt, das wiederum zu Drop-\u200bin-Treibstoffen wie Kerosin verarbeitet wird (Bild: ETH Z\u00fcrich)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Zu den Personen<\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/utils\/search.html?persid=91941&amp;pagetype=people&amp;search=steinfeld&amp;language=de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aldo Steinfeld<\/a> ist seit 2007 ordentlicher Professor f\u00fcr Erneuerbare Energietr\u00e4ger am Departement f\u00fcr Maschinenbau und Verfahrenstechnik, ETH Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/cp.ethz.ch\/de\/personen\/person-detail.tony-patt.html\" target=\"_blank\">Tony Patt<\/a> ist seit August 2013 Professor f\u00fcr Klimaschutz und -\u200banpassung an der ETH Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><br>Literaturhinweis<\/h3>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4ppi R, Rutz D, D\u00e4hler F, Muroyama A, Haueter P, Lilliestam J, Patt A, Furler P, Steinfeld A: Drop-\u200bin fuels from sunlight and air. Nature, online publiziert am 3. November 2021, doi: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41586-021-04174-y\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">10.1038\/s41586-\u200b021-04174-ycall_made<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der ETH Z\u00fcrich haben die Verfahrenstechnik entwickelt, mit der sie aus Sonnenlicht und Luft CO2-\u200bneutrale Treibstoffe herstellen k\u00f6nnen. Nun weisen sie in einer Nature-\u200bPublikation den stabilen und zuverl\u00e4ssigen Betrieb der Mini-\u200bSolarraffinerie unter realen Sonnenbedingungen nach. Und sie zeigen einen Weg auf, wie sich nachhaltiger Treibstoff ohne zus\u00e4tzliche CO2-\u200bSteuern im Markt einf\u00fchren l\u00e4sst. 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