{"id":100159,"date":"2021-11-10T07:26:00","date_gmt":"2021-11-10T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=100159"},"modified":"2021-11-05T11:45:23","modified_gmt":"2021-11-05T10:45:23","slug":"klimapioniere-jan-wurzbacher-und-christoph-gebald-die-co%e2%82%82-sauger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klimapioniere-jan-wurzbacher-und-christoph-gebald-die-co%e2%82%82-sauger\/","title":{"rendered":"Klimapioniere Jan Wurzbacher und Christoph Gebald: Die CO\u2082-Sauger"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Alles begann in den Laboren der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule Z\u00fcrich. Dort entwickelten die Studienfreunde Jan Wurzbacher und Christoph Gebald den ersten Prototyp ihrer Erfindung. Das Ger\u00e4t war damals kleiner als die Maus des Computers, mit dem sie es steuerten. Aber es versprach Gro\u00dfes: Die Maschine, die die beiden Deutschen bauen wollten, sollte das klimasch\u00e4dliche Gas Kohlendioxid aus der Luft filtern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"948\" height=\"533\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48.jpg\" alt=\"Climeworks-Gr\u00fcnder Jan Wurzbacher (l.) und Christoph Gebald Foto: [M] Climeworks \" class=\"wp-image-100173\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48.jpg 948w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/48067ed3-ce5e-4fd8-8179-9e47f2e4d811_w948_r1.778_fpx46_fpy48-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 948px) 100vw, 948px\" \/><figcaption>Climeworks-Gr\u00fcnder Jan Wurzbacher (l.) und Christoph Gebald Foto: [M] Climeworks<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Damit gingen die Studenten das wohl dringendste Problem unserer Zeit an. Denn es ist die hohe Konzentration von Klimagasen wie CO\u2082 in der Atmosph\u00e4re, die den anthropogenen Klimawandel befeuert. Als die beiden 2009 als ETH-Ausgr\u00fcndung das Start-up Climeworks gr\u00fcndeten, war Greta Thunberg gerade dem Kleinkindalter entwachsen und das Pariser Klimaabkommen von 2015 noch in weiter Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend schwer fiel es den jungen Firmenchefs damals, Investoren und F\u00f6rdergelder f\u00fcr die Weiterentwicklung ihres Produkts einzuwerben. F\u00fcr sogenannte DAC-Systeme (\u00bbDirect air capture\u00ab) hatten auch schon andere Forscher wie der deutsche Physiker Klaus Lackner Pionierarbeit geleistet. Aber dem Thema Klimawandel wurde seinerzeit l\u00e4ngst nicht die Bedeutung von heute beigemessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem galt die Technik als zu teuer, weil sie viel Energie ben\u00f6tigte \u2013 ein Problem, mit dem die Branche bis heute zu k\u00e4mpfen hat. Aber inzwischen hat selbst der Weltklimarat (IPCC) in einem Sonderbericht von 2018 festgestellt, dass der Technologie eine wichtige Rolle zukommen wird, wenn man den 1,5-Grad-Pfad weiter verfolgen will. Denn auch in Zukunft werden allen Einsparbem\u00fchungen zum Trotz in manchen Bereichen CO\u2082-Emissionen entstehen. K\u00f6nnen diese nicht unmittelbar abgeschieden und etwa unterirdisch eingelagert werden, m\u00fcsste man sie wohl nachtr\u00e4glich wieder aus der Luft filtern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst mussten die beiden promovierten Maschinenbauingenieure also mit knappem Budget kalkulieren. Doch das Geld reichte immerhin, um Ideen und Prototypen wachsen zu lassen. So entstand 2017 in der Schweizer Gemeinde Hinwil die erste kommerzielle, gro\u00dftechnische Anlange, die CO\u2082 aus der Umgebungsluft einsammelt. Pro Jahr werden hier 900 Tonnen CO\u2082 abgefischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anlagen von Climeworks, die in der Landschaft aussehen, als h\u00e4tte jemand einen Satz riesiger Klimaanlagen aufgestellt, funktionieren so: Ventilatoren saugen Luft an, die durch speziell entwickelte Filter geschickt wird, die das CO\u2082 auffangen. Die genaue Zusammensetzung ist Betriebsgeheimnis. Unter Temperaturen von mindestens 80 Grad Celsius l\u00f6st sich das Kohlendioxid dann aus den Filtern und kann eingesammelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Frage, was anschlie\u00dfend mit dem Treibhausgas passieren soll, verfolgt das Ingenieursduo verschiedene Ans\u00e4tze. Es kann beispielsweise f\u00fcr die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen oder f\u00fcr D\u00fcnger verwendet werden, wie es bei der Anlage in Hinwil der Fall ist. Zudem kooperieren die beiden mit einem Mineralwasserabf\u00fcller, der damit seine Getr\u00e4nke versetzt. Eine dauerhaft positive Klimawirkung hat das Verfahren aber nur dann, wenn das eingesammelte Gas nicht wieder in die Atmosph\u00e4re gelangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiw\u00f6chigen Treffen geht es darum, die Ziele der L\u00e4nder zu erh\u00f6hen und gemeinsame Regeln f\u00fcr den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.<br><br>Orca \u2013 die Speicherfabrik auf Island<br>Zuletzt setzten Wurzbacher und Gebald bei einer Anlage in Island zusammen mit Partnern einen Versuch um, bei dem das Kohlendioxid Hunderte Meter tief in mineralhaltigen Schichten des Erdbodens praktisch versteinert und unter normalen Bedingen dort bleiben wird. Orca, so hei\u00dft die Speicherfabrik auf der Insel, ist die weltweit gr\u00f6\u00dfte dieser Art. Ihre Energie bezieht sie aus einem geothermischen Kraftwerk in der N\u00e4he. Pro Jahr beerdigt Orca 4000 Tonnen Kohlendioxid.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Beleg, dass ihre Technik auch au\u00dferhalb des Labors funktioniert, haben Wurzbacher und Gebald l\u00e4ngst geliefert. Inzwischen arbeiten laut den beiden 150 Mitarbeiter in vier L\u00e4ndern an den CO\u2082-Saugern. Nun muss die Technik, an der nur ein paar Firmen weltweit arbeiten, noch effizienter werden. Ein Allheilmittel der Klimakrise oder gar ein Freifahrtschein f\u00fcr weiter ungez\u00fcgelte Emissionen werden DAC-Systeme allerdings nicht sein. Die vordringlichste Aufgabe der kommenden Jahrzehnte besteht darin, m\u00f6glichst viel CO\u2082 gar nicht erst auszusto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"479\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/a3828311-0ad4-4f83-aff7-399472900f35_w718_r1.4992458521870287_fpx30.01_fpy44.99.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-100172\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/a3828311-0ad4-4f83-aff7-399472900f35_w718_r1.4992458521870287_fpx30.01_fpy44.99.jpg 718w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/a3828311-0ad4-4f83-aff7-399472900f35_w718_r1.4992458521870287_fpx30.01_fpy44.99-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/a3828311-0ad4-4f83-aff7-399472900f35_w718_r1.4992458521870287_fpx30.01_fpy44.99-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2021\/11\/a3828311-0ad4-4f83-aff7-399472900f35_w718_r1.4992458521870287_fpx30.01_fpy44.99-400x267.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><figcaption>Orca-Anlage in Island: Weltweit gr\u00f6\u00dfte Anlage zur direkten Abscheidung und Speicherung von CO\u2082 aus der Luft Foto: Cover-Images \/ IMAGO<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Aber welches Potenzial viele in der DAC-Technologie sehen, zeigte sich auch an den Finanzierungserfolgen, die Cli\u00adme\u00adworks zuletzt erzielte. Trotz der Co\u00adronakrise sammelten sie nach eigenen Angaben mehr als 65 Millionen Euro Kapital ein. Auch Audi ist pl\u00f6tzlich Partner von Cli\u00adme\u00adworks. Und bei der Er\u00f6ffnung von Orca, (isl\u00e4ndisch f\u00fcr Energie), lie\u00df sich Formel-1-Pilot Sebastian Vettel \u00fcber die Anlage f\u00fchren. Vielleicht sind Wurzbacher und Gebald bald selbst nicht mehr weit weg vom Promistatus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles begann in den Laboren der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule Z\u00fcrich. Dort entwickelten die Studienfreunde Jan Wurzbacher und Christoph Gebald den ersten Prototyp ihrer Erfindung. Das Ger\u00e4t war damals kleiner als die Maus des Computers, mit dem sie es steuerten. 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